FeedDenkübungen
TechnikBrockhaus 1882

Denkübungen waren früher ein besonderer Gegenstand des Volksschulunterrichts, dazu bestimmit, das logische Denken, wie überhaupt die Erkenntniskräfte anzuregen und zu entwickeln. Die D. entstanden als Gegensatz zu dem einseitigen, gedächtnismäßien Lernen und wurden namentlich durch Basedow, ochow, Wilmsen in Berlin, Junker in Braunschweig, Zerrenner in Magdeburg, Natorp in Münster u. a. eingeführt. Doch arteten diese ÜUbungen bald in ganz abstrakte und trockene Verstandesoperationen aus, bei welchen die Kinder mit schwierigen Begriffsentwickelungen 6. B. wesentlich, notwendig, zufällig, möglich u. s. w.) gequält wurden. Fruchtbarer gestalteten sie sich, als sie nach Pestalozzischer Methode auf dem Fundament der Anschauung aufgebaut wurden. In dieser Beziehung waren namentlich thätig Männer wie Harnisch, Graßmann, Scholz, Spieß, Denzel, Diesterweg, Graser, Curtman u. a. e Den ein halbes Jahrhundert den geh besondere Denkübungsstunden in den Schulen gehalten und die Vorteile derselben gepriesen worden waren, kam man in neuerer Zeit zu der überzeugung, daß sie als ein besonderer Unmit Recht, daß formales Denken ohne einen beson dern materialen Stoff nicht möglich sei, und daß man an jedem Unterricht, wenn man ihn nur recht betreibe, das Denken fördern könne. Verbunden werden die D. noch jetzt namentlich mit dem Anschauungs⸗ und dem Lese⸗ und Sprachunterricht.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 54Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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