Denken bezeichnet als die rein innerliche Bewegung der Vorstellungen diejenige seelische Thätigkeit, welche die Empfindungen zu Begriffen, Urteilen und Schlüssen verarbeitet. Während wir unter Empfindung eine Funktion der Vorstellung verstehen, die wir nicht anders als durch eine Beziehung auf eine vom Bewußtsein verschiedene Realität erklären können, erscheint das Denken als die verbindende Funktion, welche, wenn einmal ihr Inhalt gegeben ist, sich in dem abgeschlossenen Innern des Bewußtseins, worin jene Elemente erhalten bleiben und reproduziert werden, nach eigenen Gesetzen abspielt. Freilich setzt das D. als eine vorarbeitende Funktion, immer ein durch Empfindungen gegebenes Material voraus, und ein Kreines D.o als ein solches, welches seinen Inhalt selbst erzeugte. gibt es für den Menschen nicht; andererseits aber sind die Beziehungen, in welche das D. die Elemente der Empfindung seßl, weder in diesen selbst noch in ihrem bloßen Nebeneinandersein enthalten, sondern sie entspringen eben aus der gesetzmäßigen Funktion des D. selbst, welche nur an dem gegebenen Material zum Bewußtsein kommen kann, ohne aus jenem selbst herzustammen. Unter den Gesetzen des D. sind aber die Naturgesetze und die Normalgesetze zu unterscheiden. Jene, deren Behandlung Sache der Psychologie ist, enthalten die Formen der Association und Reproduktion, nach denen sich unter allen Unständen das wirkliche D. vollzieht (s. Ideenassociation); diese, deren System die Logik (s. d.) entwickelt, enthalten die Vorschriften, nach denen sich das D. richten soll, wenn sein Resultat auf den Wert der Wahrheit Anspruch erheben will.