FeedDeoprag
ErdkundeBrockhaus 1882

Deoprag oder eigentlich Dewaprayaga, Stadt im indobrit. Tributstaat Garhwal, unter 30° 8 nördl. Br. und 78: 39“ östl. L. von Greenwich, an dem Zusammenflusse des Alakhaude und des Bhagiratti, in 690 m Meereshöhe gelegen, hochberühmt wegen ihres sehr alten großartigen Tempels des Ramaschandra. Der Tempel soll, den brahminischen überlieferungen nach, schon vor 10000 Jahren erbaut sein. Derselbe liegt im obern Teile der Stadt, auf einer 158 m hohen, 9m langen und Embreiten Terrasse und besteht aus schwarzen behauenen, ohne allen Mörtel allein durch das eigene Gewicht zusammengehaltenen Steinen und zeigt die Gestalt einer in einer Kuppel endigenden Pyramide. Das Ganze wird von einem vorspringenden, viereckigen Dache umgeben. Der Eingang in das Innere ist an der Westseite. Ihm gegenüber, an der Ostseite der Tempelhalle, befindet sich das 2m hohe, aus Stein gehauene Standbild von Ramaschandra, welches mit Ausnahme des Gesichts rot gefärbt ist, und vor diesem ein ehernes Bild der Garuda in der Haltung eines die Gottheit Anbetenden. Der ganze Tempelbau ist 24 m hoch. Unterhalb der Terrasse befindet sich ein Tempel des Mahadewa. D. ist ein sehr berühmter, für heili gehaltener, von zahlreichen Pilgern besuchter Wallfahrtsort, einer von den fünf, in den Shastras aufgezählten Prayags oder Stromeszusammenflüssen. Hauptzweck der Wallfahrt nach D. ist die Entsündigung durch Baden in drei in den Fels gehauenen, Kundas genannten Bassins, die etwas unter denn Niveau des Flusses gelegen sind, welcher hier zu reißend ist, um das Baden in ihm zu verstatten. Dieosai, d. h. Götterebene, ein unbewohntes, merkwürdiges Hochland, welches Kaschmir von Balti oder Kleintibet trennt. Es ist eine wellige Ebene, aus welcher sich runde Granitköpfe erheben, umzogen von einem 4800—5000 m hohen Kranze von Schneegipfeln. Auf dieser 3660 —4000 m hohen Ebene findet sich keine Spur von Vegetation. Die aus den Becken innerhalb der Schneelager und Gletscher kommenden smaragdgrünen Wasser durchfließen die Hochebene in gewundenen Rinnen und vereinigen sich zu einem Strome, dem Schigar, welcher an der Südostseite durch eine Depression austritt, um in den Dräs zu fließen. Wahrscheinlich ist das Thal fd ein altes Seebecken. Belebt ist es nur von An x losen Murmeltieren. Aus ihm führt nach N. in Balti hinein ein 4757 m hoher, nach Kaschmir ein 4200 m hoher Paß zur großen Handelsstraße von Iskardo nach Sirinagar.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 58Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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