FeedDepeschen
GeschichteBrockhaus 1882

Depeschen (frz.) heißen zunächst die Schreiben, welche zwischen dem Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten und den ihm unterstellten diplomatischen Agenten (Botschaftern, Gesandten, Konsuln u. s. w.) gewechselt werden. Einerseits sind sie Instruktionen, welche der Minister den Agenten erleilt, andererseits Berichte der Agenten an den Minister über alle Ereignisse von einiger Wichtigkeit, die auf das Verhältnis des Staats, von welchem der Agent gesandt ist, zu dem, in welchem er residiert, von Einfluß erscheinen, Mitteilungen über die Stimmung, Tendenzen und Lage der fremden Regierung u. w. Die D. vertreten auch zum grogen Teil die Korrespondenz zwischen zwei Höfen, indem der Minister seine für den andern Hof bestimmten Mitteilungen an seinen Gesandten bei diesem Hofe richtet und den Gesandten zugleich beauftragt, dem Minister der auswärtigen Angelegenheiten am fremden Hofe die D. vorzulesen, oft auch in Abschrift mitzuteilen (depéches à communiquer). Die Bezeichnung D. (Eilbrief, Eilbotschaft) empfingen diese diplomatischen Schreiben davon, daß sie auf schleunigstem Wege Len d Kuriere u. s. w.) befördert werden. Enthalten die D. geheime Mitteilungen, so pflegt man Transport zu verwenden schiffrierte D.). Der Transport von D. an den Feind steht der Kriegskontrebande gleich und setzt insbesondere ein neutrales Schiff der Wegnahme und Konfiskation aus. Rer neuerer Zeit nennt man auch andere, auf schnellem Wege beförderte amtliche Schreiben sowie alle Mitteilungen auf telegr. Wege D. über diese mt Depenra Depeschen (Telegramme) s. unter Telegraphie.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 59Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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