FeedDephlegmieren
TechnikBrockhaus 1882

Dephlegmieren nennt man in der Spiritusfabrikation eine Operation, durch welche bei der Destillation der vergorenen Maische dem Dampfgemisch durch partielle Kondensation ein großer Teil des Wassers und Fuselöls (welche zusammen das Phlegma oder den Lutter bilden) entzogen wird, während nur ein geringer Teil des Alkoholdampfes dabei verdichtet wird. Es geschieht in eigenen Apparaten, Dephlegmatoren, welche mit denn Destillationsapparat (s. d.) so verbunden werden, daß der Dampf, nachdem sein relativer Alkoholgehalt bereits durch Rektifikation angereichert worden ist, in diese eintritt, ehe er in den Kondensator gelangt. ie Dephlegmatoren werden in zwei verschiedenen Formen konstruiert: 1) Das Pistoriussche Becken, ein aus Kupferblech angefertigter, großer, linsenförmiger Hohlkörper, an seiner nach oben gekehrten Seite mit einem flachen Rande umgeben, wodurch hier ein flaches, zur Aufnahme von Wasser bestimmtes Becken gebildet wird. Der Dampf tritt unten durch einen Rohrstutzen ein, wird durch ein über dessen Öffnung befestigtes Diaphragma gezwungen, die ganze Wandfläche zu bespülen, und gelangt durch einen oben angebrachten Rohrstutzen entweder in ein zweites Pistoriussches Becken oder in den Kondensator. Teils durch Ausstrahlung, teils durch Ableitung an das das Becken bedeckende Wasser wird dabei dem Dampfgemisch Wärme entzogen, wodurch der beabsichtigte Zweckerreicht wird. Dabei ist aber die Abkühlung so zu regeln, daß der Dampf immer eine etwas über dem Siedepunkt des Alkohols liegende Wärme behält, weil sonst zu viel Spiritus verdichtet werden würde, der mit dem niedergeschlagenen Lutter rektifiziert werden müßte. 2) Der Röhrendephlegmator, auf gleichem Prinzip wie der vorige Apparat beruhend, besteht aus einem System vertikaler Röhren. welche von einem Wassermantel umhüllt sind. Das Dampfzuleitungsrohr tritt oben in das Röhrensystem ein, der Dampf kommt mit einer sehr großen Kühlfläche in Berührung, der sich dabei niederschlagende Lutter fließt in den Röhren herab und in den Destillationsapparat zurück, während der angereicherte Dampf zum Kondensator strömt. Bezüglich der Innehaltung der Temperatur des Kühlwassers gilt hier dasselbe wie beim Pistoriusschen Becken.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 59Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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