FeedDepöt (frz.)
GeschichteBrockhaus 1882

Depöt (frz.), in der Kriegssprache im allgemeinen eine Niederlage von Kriegsmaterial. Auch die Ersatztruppen werden D. genannt (Depöt-Bataillone, Depöt-Escadrons u. s. w.), ebenso die Orte, woselbst sie für den Kriegsdienst ausgebildet werden. Dépöt de la guerre heißt die imi franz. Kriegsministerium unter Louvois 1688 errichtete Sammelstelle für Kriegsberichte, Feldzugspläne, militärische Entwürfe und kriegswissenschaftliche, namentlich kriegsgeschichtliche Schriften. Im J. 1720 besaß das D. bereits 3900 Foliobände Urkunden aus ältester Zeit, 1761 wurde dasselbe von Paris nach Versailles verlegt und durch überweisung des bis dahin selbständig verwalteten Dépôt des cartes et plans erweitert. Unter Leitung des Generals de Vault veröffentlichte das D. die Geschichte der von 1677 bis 1763 geführten Kriege Frankreichs in 125 Bänden. Das D. wurde 1791 nach Paris (Place Vendöme) zurückverlegt und von Ludwig XVI. unter dem 25. April 1792 mit sehr erweiterten Befugnissen ausgestattet. Im folgenden Jahre überwies der Konvent die bisher im Observatoire bearbeitete berühmte Karte 10 Darauf von Cassini dem D. zur Wodsgbfah⸗ bald darauf empfing dasselbe eine vom Wohlfahrtsausschuß zusammengebrachte, wertvolle Sammlung von 10000 Karten. Die bedeutendste Leistung des D. in neuerer Zeit ist die Herstellung der Carte de France im Maßstabe von 1:80000, deren Aufnahme 1817 begann; die ersten 12 Blätter dieser in Kupferstich ausgeführten, sog. Generalstabskarte, welche 1875 vollendet worden ist, wurden 1833 veröffentlicht, und in neuester Zeit wird eine sehr billige, mit Nachträgen versehene und durch Umdruck der Kupferstiche auf Stein hergestellte Ausgabe (sog. 1-Franc-Blätter) dem Publikum zugänglich gemacht. Das D. besitzt in seinem Mémorial eine reiche Sammlung von Schriften aus dem Bereiche der militärischen und geogr. Wissenschaften, darunter die Akten und Denkschriften aus den Kriegen der Republik und des ersten Kaiserreichs. Die Erlasse vom 19. Sept. 1850 und 14. Juni 1852 regeln die jetzige Organisation des D., welches die fünfte Abteilung des Etat-major genéral des Kriegsministeriums bildet und in zwei Sektionen zerfällt. Die erste Sektion bearbeitet alles auf die Aufnahme und Veröffentlichung von Karten Bezügliche und besitzt eigene Werkstätten für Kupferstich, Photographie, Steindruck, Heliogravure und Druck; dieselbe verwaltet auch die Kartenbestände. Die zweite Sektion bearbeitet Kriegsgeschichte, Militärstatistik und verwaltet die Bibliothek, das Archiv und die Plankammer.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 63Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 5

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Geschichte 6