FeedDernburg (Friedr.)
GeschichteBrockhaus 1882

Dernburg (Friedr.), Bruder des vorigen, Publicist, geb. 3. Ott. 1833 zu Mainz, widmete sich ebenfalls der Jurisprudenz und wurde dann Hofgerichtsadvokat in Darmstadt. Der für Hessen-Darmstadt unglückliche Krieg von 1866 und die unvorteilhafte Stellung des Landes, das nur halb dem Norddeutschen Bunde angehörte, besonders aber die unter dem Minister von Dalwigk in Regierung und Volk geltend gemachte preußenfeindliche Stimmung hatten für D. die Folge, daß er eine entschieden nationale und preußenfreundliche Stellung einnahm und als Landtagsabgeordneter und als Mitführer der hess. Fortschrittspartei in kräftiger Weise die Dalwigksche Politik bekämpfte, die mit den ultramontanen Bestrebungen des Bischofs von Ketteler Hand in Hand ging. Als im März 1871 nach der Begründung des Deutschen Reichs die ersten Wahlen zum Reichstage stattfanden, wurde D.s Wahl zum Reichstagsabgeordneten für Offenbach-Dieburg gegen die vereinigten Anstrengungen der ultramontanen und dersozialistischen Partei durchgesetzt. Er war bis 1881 Mitglied des Reichstags, in welchem er der nationalliberalen Partei angehörte. Inzwischen war D. vielfach auch journalistisch thätig gewesen. Im Jan. 1875 wurde er Chefredacteur der berliner Rationalzeitungo.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 73Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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