FeedHofmann (Karl von)
GeschichteBrockhaus 1882

Hofmann (Karl von), deutscher Staatsmann, Bruder des vorigen, geb. 4. Nov. 1827 zu Darmstadt, Dann an in Gießen und Heidelberg die Rechte, war ann auf dem Bureau eines Anwalts thätig, trat aber 1855 auf Veranlassung des Ministers von Dalwigk in dem Ministerium des Auswärtigen in den hess. Staatsdienst. Er begleitete 1864 den sächs. Minister von Beust, Bevollmächtigten des Deutschen Bundes für die Londoner Konferenzen in der schlesw.⸗ holstein. Sache, als Sekretär nach England, trat 1866 als Regierungskommissar in der hess. Zweiten Kammer für die Bundestagsbeschlüsse gegen Preußen ein und begleitete nach dem Ausgange des Kriegs im Aug. 1866 den hess. Minister von Dalwigk zu den Friedensunterhandlungen nach Berlin. Dort blieb er als hess. Gesandter und nahm als solcher an der Ausarbeitung der Verfassung des Norddeutschen Bundes und an deren Beratung im Norddeutschen Reichstage teil. Die Ereignisse von 1870 fanden H. als entschlossenen Förderer der Gründung des Deutschen Reichs; mit Dalwigk führte er 1870 in Versailles die auf Hessens Anschluß bezüglichen Verhandlungen. Nach Berlin zurückgekehrt, blieb H. dort als hess. Gesandter und stimmführender Bevollmächtigter Hessens im Bundesrate. H. trat 13. Sept. 1872 als Präsident an die Spitze des hess. Staatsministeriums. In dieser Stellung führte er eine vollständige Reform der Verwaltung, die gesetzliche Regelung der 306 Hofmann (Leop. Friedr., Fr Perdumung⸗ zwischen Staat und Kirche, eine neue Verfassung der evang. Landeskirche und ein neues Wahl⸗, Pensions⸗ und Schulgesetz durch. Am 1. Juni 1876 wurde H. zum Präsidenten des Reichskanzleramts und zugleich zum preuß. Staatsminister ohne Portefeuille ernannt; 13. Juli 1879 übernahm er auch das Ministerium für Handel und Gewerbe, wurde 23. Aug. 1880 zum Staatssekretär in der Regierung von Elsaß-Lothringen ernannt und 29. Avril 1882 vom Deutschen Kaiser in den Adelsstand erhoben.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 305Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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