Dscheläl-ed-din Rümi, der größte mystische Dichter der Perser, wurde in Balch 1207 geboren. Sein Vater, ein ausgezeichneter Lehrer der Philosophie und des Rechts, von dort vertrieben, wanderte nach Konia in Kleinasien aus, wo ihm nach seinem Tode (1231) sein Sohn als Lehrer nachfolgte. Hier wirkte letzterer bis zu seinem 16. Dez. 1273 erauuut Tode in ununterbrochener Thätigkeit, verammelte einen großen Kreis von Schülern um sich und wurde der Stifter der Mewlewi, des angesehensten Ordens der Derwische. Der im ganzen mohammed. Orient weitverbreitete Ruhm des D. gründet sich auf seinen Diwando oder die Sammlung seiner lyrischen Gedichte, die zu den schwungvollsten und ideenreichsten der orient. Poesie gehören. Eine Auswahl gab Rosenzweig (Wien 1838) in Text und Übersetzung heraus. Noch berühmter aber ist sein „(Mesnewiv, d. h. das in Reimpaaren verfaßte Gedicht, ein Name, der vorzugsweise sehr vielen in ähnlicher Form verfaßten Gedichten beigelegt wurde. Dieses Werk, welches seine Vorbilder, die Hadikav (Ziergarten) des Senaji (gest. 1150) und das «Esrarnameho (Buch der Geheimnisse) des Ferid-ed-din Attar (gest. 1230) übertrifft, enthält in sechs Büchern 40000 Distichen und ist durchweg moralischen und ascetischen, allegorischen und mystischen Inhalts, sodaß Lehren und Betrachtungen mit Legenden und Erzählungen abwechseln. Der gebildete Perser sieht in diesem Gedichte die höchste Vollendung eines Erbauungsbuchs, ein Werk, dessen Aufnahme in Seele und Geist ihn sicher der höchsten Seligkeit, nämlich dem Einswerden mit der Gottheit entgegenführt und ihm als das Produkt höherer, unmittelbarer Gottesweihe erscheint. Vom orient. Standpunkt aus betrachtet, gehört das Mesnewiv zu den bedeutsamsten Schöpfungen des mohammed. Geistes, wenn auch der Abendländer an Gedanken und Form vieles auszusetzen findet. Eine vollständige Ausgabe des Mesnewiv mit türk. übersetzung und Kommentar erschien in Bulak (6 Bde., 1835—36), eine andere in Konstantinopel (7 Bde., 1872), mehrere in Indien (Bombay 1847, Dehli 1863, Luknow 1865); eine übersetzung des 1. Buches lieferte G. Rosen (Mesnewi oder Doppelverses, Lpz. 1849) und Redhouse (The Mesnewi of Mewlänä Selalu-'d- din Muhammed, Er-Rümiv, Lond. 1881), der auch die übersetzung einer 1353 verfaßten Biographie D.s von einem Schüler seines Enkels gibt. Vgl. Hammer, «Sitzungsberichte derwiener Akademied (1851) Ethé, «Morgenländ. Studiend (Lpz. 1870).