FeedDeshoulières (Antoinette)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Deshoulières (Antoinette), franz. Dichterin, geb. 1634, eine Tochter De Ligier de Lagardes, der am Hofe der Königin Anna von Österreich *75 war, verband mit einem einnehmenden Äußern und einem edeln Charakter ein vorzügliches dichterisches Talent. Sie verstand Lateinisch, Italienisch und Spanisch; in den spätern achafti ihres Lebens, wo sie anhaltend krank war, beschäftigte sie sich mit der Philosophie. Verschiedene gelehrte Gesellschaften nahmen sie unter ihre Mitglieder auf. Im Alter von 18 J. heiratete sie Guillaume de La — de Boisguerin D., der in den Unruhen der Fronde die Partei des Prinzen Conde ergriffen hatte und deshalb bald nach seiner Vermählung Frankreich verlassen mußte. Später folgte sie ihm an den Hof des Prinzen nach Brüssel, wo sie eine ausgezeichnete Stellung einnahm. Weil sie von der span. Regierung heftig die Auszahlung des ihrem Gemahl schuldigen Soldes forderte, wurde sie jedoch in das Schloß Vilvorden eingesperrt, aus welchem sie, nach achtmonatlicher harter Gefangenschaft, ihr Gatte entführte. Beide kehrten hierauf nach Frankreich zurück. Ihren Ruf als Dichterin verdankt sie vorzüglich ihren Idyllen, deren beste aber, Les moutonso, fast wörtlich dem 1580 verstorbenen, wenig bekannt gewordenen Dichter Antoine de Coutel nachgebildet ist. Weniger bedeutend sind ihre Oden, das Trauerspiel Gensericy und ihre Episteln. Wahres poetisches Gefühl lebt in ihren kleinern Gedichten, besonders in den Madrigalen. Für die Kinder des Grafen Artois wurden ihre Vers allégoriquesd gedruckt, die überhaupt, vorzüglich aber in der zweiten, mit Versen von Raecine vermehrten Auflage eine bibliogr. Seltenheit sind. Sie starb zu Paris 17. Febr. 1694, nachdem sie 3. Jan. 1693 Witwe geworden war. Die vollständigste Ausgabe ihrer Werke, vereinigt mit den Gedichten ihrer Tochter, Antoinette Therese D., geb. 1659, gest. 8. Aug. 1718, ist die von Crapelet (2 Bde., Par. 1799). Einen Auszug aus ihren und Chaulieus Gedichten gab Friedrich II. heraus (Berl. 1777).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 82Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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