Dessin (frz.), d. h. Zeichnung, ist im kunstgewerblichen Sinne die Bezeichnung für das in regelmäßigen Abständen wiederkehrende Muster der Gewebe, Tapeten; der Dessinateur ist ihr Schöpfer, der Musterzeichner, der heute eine Klasse von Künstlern bildet, die aus dieser Thätigkeit Beruf machen. Das D., als Spezialität des Ornaments, hat seine eigene, von der hohen Kunst unabhängige Geschichte gehabt. Es stammt von alters her aus dem Orient, hat von Babylon her den Weg durch die byzant. Kunst genommen und im Mittelalter ein reichentwickeltes Leben Rihl. sowohl in der sarazen.⸗ arab. wie in der christl. Industrie. Die Dessinmuster des spätern Mittelalters, Dieem Bauf gotischen genannt, obwohl sie mit diesem Baustil nichts weiter zu thun haben, als daß sie eben gleichzeitig sind, gingen in die Renaissance über und wurden von dieser in der Zeichnung umgewandelt, ohne ihren Flächencharakter zu verlieren. Im Laufe des 17. 1Char⸗ nahmen sie mehr naturalistischen, blumigen Charakter an, mit dem sich allerlei Ornamente aus der Architektur vermischten. Dann traten im 18. Jahrh. persische und chines. Motive pieen welche zur Zeit des Rokoko eine große Rolle pielen. Sie kamen mit den Papiertapeten und den pers. und ind. Glanzstoffen von Baumwolle, den Zitzen. Die Zeit des ersten franz. Kaiserreichs vermochte sie wenig — ändern. Dagegen erwachte im 19. Jahrh. die Nachahmung von Blume und Pflanze aufs neue, um dasselbe Jahrhundert bis auf die Gegenwart zu bolltänvine Diese bemüht sich, obwohl nicht mit vollständigem Erfolge, das Muster auf den alten Flächencharakter zurückzufuhren. Vgl. Bötticher, Dessinateurschuler (Berl. (Hanau 1873); Hoffmann und Kellerhoven, Reeneil des dessinsv (Par. 1858); Dupont-Auberville, „L'ornement des tissuso (Par. 1875).