Deutéronomion (grch.), d. i. das zweite Gesetz, wird von den griech. kübersetzern das fünfte Buch Mosis genannt. Die Tendenz des Buchs, die ältern Gesetzesbestimmungen den Bedürfnissen einer veränderten Zeit anzubequemen und soviel wie möglich mit sittlichem Inhalt zu erfüllen, würde auch ohne die zahlreichen Beziehungen auf den Tempel zu Jerusalem, auf das Königtum, das Prophetentum und andere Verhältnisse einer weit spätern Zeit die nachmosaische Abfassung sicherstellen. Das Buch kann nur verfaßt sein in einer Zeit, in welcher das Königtum längst in Israel bestanden, der Prophetismus bereits eine lange, den alten Nationalglauben vergeistigende und verinnerlichende Entwickelung durchlaufen hatte. Während die Ansicht Hengstenbergs und seiner Schule von der Abfassung des D. durch Moses selbst nur noch als Kuriosum Erwähnung verdient, ist die neuere Kritik darüber verschiedener Ansicht, ob das neue Gesetzbuch zur Zeit der Kultusreform unter Hiskia oder erst unter Josia verfaßt sei. Letztere Ansicht ist die wahrscheinlichste. Vgl. Knobel, «Erklärung der Bücher Numeri, Deuteronomium und Josua v (Lpz. 1861); Kleinert, »Untersuchungen zur alttestamentl. Rechts⸗ und Litteraturgeschichtes (Bd. 1: „Das D. und der Deuteronomikery, Bielef. 1872).