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GeschichteBrockhaus 1882

Deutsche Reiter nannte man eine eigentümliche Waffengattung, welche sich während des Schmalkaldischen Kriegs neu gebildet hatte. Die gemischten Reiterstandarten hatten vorher aus Lanzierern, Kyrissern und Karabinierern bestanden. Die Deutschen Reiter ritten leichtere Pferde als die Lanzierer und Kyrisser und wurden namentlich in der norddeutschen Ebene westlich der Oder angeworben; sie hießen auch Ringerpferder, weil sie geringere Pferde ritten, und trugen offene Eisenhüte (Hundskappen), leichte Brustharnische (corselets) oder Lederkoller mit eiserner Halsberge anstatt der geschlossenen Helme und schweren Eisenpanzer der übrigen Kavallerie. Das Eisenzeug der Deutschen Reiter wurde meist schwarz angestrichen, weshalb man dieselben auch als die «Schwarzens bezeichnete. Sie waren mit Schwert und Faustrohr bewaffnet und pflegten in tiefen Haufen bis auf Pistolenschußweite an den Feind heranzutraben, gliederweise zu feuern und sich karakolierend um die Flügel hinter den Haufen zurückzuziehen, sodaß ihre Front ein unaufhörliches Feuer unterhielt. Diese Fechtweise erschütterte die schweren Eisenreiter, und dann brachen die Deutschen Reiter auch mit dem Schwerte ein. Die große Beweglichkeit dieser Deutschen Reiter erleichterte ihre Verpflegung und befähigte sie zu selbständigen Unternehmungen; in den Deutschen Reitern entwickelte sich zuerst der Reitergeist im heutigen Sinne dieses Wortes, sie konnten ohne Fußvolk weite Züge unternehmen, waren geschickt im kleinen Kriege und lieferten selbständige Schlachten, z. B. bei Sievershausen. Markgraf Albrecht Alcibiades von Brandenburg und Kurfürst Moritz von Sachsen förderten die Ausbildung der Deutschen Reiter, und im Auslande wußten dieselben sich bald gefürchtet zu machen. Während der Hugenottenkriege fochten in jedem Treffen auf beiden Seiten Deutsche Reiter, und Frankreich wurde damals mit Recht der Kirchhof des deutschen Adelso genannt; denn ein großer Teil des märkischen und hess. Adels ist dort gefallen. Namhafte Führer verblieben auch dauernd im franz. Dienste, z. B. Schomberg, Betzstein (Bassompierre), Degenfeld. Die hohe Achtung vor dieser tapfern Kavallerie bezeugt der noch jetzt in Frankreich übliche Ausdruck: C'est un vieux reitre.v

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 164Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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