FeedDeutsche
ReligionBrockhaus 1882

Deutsche Ritter oder Deutscher Orden, auch Deutsche Herren nannte sich der zur Zeit der Kreuzzüge entstandene dritte christl. Ritterorden. Nachdem schon um 1128 ein Deutscher in Jerusalem, gerührt von dem Elende so mancher Dertan⸗ deutscher Pilgrime, ein Hospital nebst zethaus gegründet und andere Deutsche zur Wartung und Pflege ihrer Kranken sich mit ihm vereinigt hatten, traten 1190 während der Belagerung von Acca einige Bürger aus Bremen und Lübeck, die unter dem Grafen Adolf von Holstein nach dem Heiligen Lande gezogen waren, mit den Brüdern des Hospitals in der Absicht zusammen, nach dem Vorbilde der Johanniter und der Templer einen Ritterorden mit dem doppelten Zwecke der Pflege und Wartung erkrankter Pilgrime und der Verteidigung des Heiligen Landes durch Kampf und Schwert zu gründen. Der Plan erhielt den Beifall des Herzogs Friedrich von Schwaben, der alsbald die Stiftung des Ordens beschloß, welcher auch schon das Jahr darauf die Bestätigung des Papstes Clemens III. und Kaiser Heinrichs VI. erlangte. Acca wurde, nachdem es erobert, die erste Heimat des Ordens; zugleich erhielt derselbe durch päpstl. Bestätigung gleiche Rechte mit den Templern und Johannitern. Seine Mitglieder sollten einen weißen Mantel mit schwarzem Kreuze als Ordenskleid tragen und sich Brüder des Hospitals der Deutschen nennen. Nur Männer deutscher Geburt, von freiem, edelm Stamme sollten aufgenommen werden. Seiner doppelten Bestimmung nach hatte der Orden zwei Klassen von Mitgliedern, Ritter und Barmherzige Brüder, zu denen erst nach etwa 30 Jahren zur Besorgung des Gottesdienstes auch Priester hinzugefügt wurden. Erst später, um 1221, kamen noch, ähnlich den Frères servants d'armes bei den beiden andern Orden, die sog. Halbbrüder hinzu, die, aus nichtadeligem Geschlechte gewählt, zum Teil in ihren weltlichen Verhältnissen fortleben durften. Der erste Ordensmeister des Deutschen Ordens war Heinrich Walpot von Bassenheim, ein Ritter aus den Rheinlanden. Zwar befestigte sich unter ihm und seinen beiden Nachfolgern, Otto von Kerpen und Herm. Barth, der Orden, aber mächtig und einflußreich wurde derselbe erst unter dem vierten Ordensmeister, Hermann von Salza (s. d.). Dieser, durch das Vertrauen des Papstes und des Kaisers Friedrich II. gleich sehr geehrt, von dem letztern für sich und seine Nachfolger im Meisteramte zum Reichsfürsten erhoben, wußte dem Orden großes Ansehen zu verschaffen und dessen Einkommen und Besitzungen so bedeutend zu mehren, daß die letztern bald über ganz Deutschland bis nach Ungarn, Italien und Sicilien sich erstreckten. Salza war es auch, an den der Herzog Konrad von Masovien sich mit der Bitte um Hilfe gegen die heidnischen Preußen wendete. Auf Betrieb des Papstes und nach erhaltener Zusicherung eines bestimmten Landstrichs, des Culmerlandes, als Wohnplatzes des Ordens, sendete Salza dem Herzoge den Landmeister Herm. Balk mit einer Anzahl Ordensritter und Knappen, die 1230 den blutigen Kampf gegen die Urbewohner Preußens begannen, der, nachdem sie sich 1237 mit dem Orden der Schwertbrüder (s. d.) in Livland vereinigt, 1283 mit der Besiegung und Bekehrung der Preußen endigte. Hierauf begann der Orden 1284 den Krieg mit den Litauern, der sich länger als ein Jahrhundert hinzog. In dieser Zeit waren die berühmtesten Großmeister Meinhard von Querfurt, welchem unter anderm das Land Preußen die Eindämmung der Weichsel und Nogat verdankt, Siegfried von Feuchtwangen, der 1309 die Regierung des Ordens nach der am 1 verlegte, und Weinrich von Kniprode, der am längsten und glücklichsten regierte (1351—82) und in der Schlacht bei Rudau 1370 die Litauer besiegte und zum Frieden zwang. Er zog Aleß d. Männer aus Deutschland an seinen Hof, ließ durch sie die Ordensbrüder unterrichten und stiftete in jedem Dorfe von 60 Bauern eine Schule und zu Marienburg und Königsberg gelehrte Schulen. Auch gründete er einen im Auslande berühmten Gerichtshof und beförderte Handel und Gewerbe. Unter seiner und seines Nachfolgers Regierung hatte der Orden den höchsten Gipfel seiner Macht erreicht. Seine Besitzungen erstreckten sich von der Oder bis zum Finnischen Meerbusen; seine Einkünfte waren zu einer bedeutenden Höhe gestiegen. Bald nach dieser Zeit begann der Verfall des Ordens, der besonders durch die Schlacht bei Tannenberg (1410) gegen die Polen, in welcher 40000 Mann vom Ordensheere fielen, noch mehr aber durch Schwelgerei, Verschwendung und die im Orden entstandenen Parteiungen und Zwistigkeiten beschleunigt wurde. Der Adel und die Städte des Landes benutzten die Schwäche der Regierung, um sich der immer drückender gewordenen Herrschaft des Ordens zu entziehen, und unterwarfen sich dem Schutze Kasimirs II. von Polen, infolge dessen ein 13jähriger verheerender und blutig-grausamer Krieg (1454—66) entstand, welcher damit endigte, daß der Hochmeister Ludw. von Erlichshausen im Frieden zu Nessau Westpreußen an Polen abtreten und Polens Lehnshoheit anerkennen mußte. Um durch Familienverbindungen dem Orden Hilfe gegen Polen zu verschaffen, wählten nun die Ritter deutsche Fürsten zu Hochmeistern. So wurde 1511 Albrecht (s. d.) von Brandenburg gewählt, der nach einem unglücklichen Kriege mit König Sigismund 30 Dolent 1525 das Ordensland Preußen in ein von Polen lehnbares und in seiner Familie erbliches Herzogtum verwandelte. Seit 1527 hatte der Hochmeister seinen Hauptsitz zu Mergentheim in Schwaben und war geistlicher Reichsfürst. Die elf Balleien aber, Provinzen des Ordens, unter denen Mergentheim mit 32000 E. auf 550 qkm die bedeutendste, hatten einen Gesamtflächeninhalt von 2200 qkm mit 88000 E. und waren in Komtureien abgeteilt, denen ein Landkomtur vorstand, lagen aber in verschiedenen Ländern zerstreut. Durch den Preßburger Frieden erhielt 1805 der Kaiser von Ssterreich die Würde, Rechte und Einkünfte eines Großmeisters des Deutschen Ordens. Der Orden wurde zwar von Napoleon 24. April 1809 zu Regensburg aufgehoben und dessen Güter fielen den Fürsten anheim, in deren Gebiet dieselben lagen; aber er wurde durch kaiserl. Verfügung vom 28. Juni 1840 in Osterreich wieder errichtet. Seitdem führen österr. Erzherzöge (seit dem Tode des Erzherzogs Maximilian [1. Juni 1863] der Erzherzog Wilhelm) den Titel als Großmeister des Deutschen Ordens im Kaisertum Ssterreich fort. Ebenso besteht noch in den Niederlanden die seit dem J. 1537 von dem Orden getrennte Ballei Utrecht unter dem Protektorat des Königs und unter der Oberleitung eines Landkomturs. Zur Aufnahme ist dort die reform. Konfession und der Nachweis von 4 Ahnen erforderlich, während in Österreich das kath. Bekenntnis und 16 Ahnen verlangt werden. Das Ordenszeichen besteht in einem länglichen schwarzen Kreuze mit weißer Einfassung, oben von einem mit drei weißen Federn geschmückten silbernen Helme überragt, und wird an einem schwarzen gewässerten Banbe getragen. Vgl. Voigt, 4Geschicht des Deutschen Ritterordenso (2 Bde., Königsb. 1857—— 59) und dessen Werke über die Geschichte Preußens. Die »Scriptores Rerum Prussicarumo (5 Bde., Lpz. 1861 — 74) sind von Hirsch, Töppen und Strehlke herausgegeben, und viele Fragen aus der Geschichte des Ordens in einer reichen Litteratur eingehend Aunse Ndetsproben vgl. außerdem Nedopil, Deutsche Adelsproben aus dem Deutschen Ordens-Centralarchiver (3 Bde., Wien 1868).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 164Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 5

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Religion 6