Dinant, eine der ältesten Städte Belgiens, in der Provinz Namur, rechts an der Maas und an der Belgischen Nordbahn, mit 6342 E., hat eine eigentümliche Lage, indem sie zwischen steilen Kalksteinfelsen, auf deren Scheitel ein festes Schloß steht, und der Maas eingeklemmt ist, sodaß nur eine einzige schmale Straße besteht, die sich nur einmal zu einem kleinen Marktplatz erweitert. Die ganze Felsenwand ist in Terrassen eingeteilt, und jedes Haus hat auf der hinter ihm liegenden Terrasse seinen Garten. Schöne Promenaden ziehen sich an der Maas entlang, führen nach dem Schlosse von Walsin, der Abtei Waulsor, der Grotte und dem Schlosse von Freyr und zum Bayardfelsen. Die Liebfrauenkirche, ein schöner got. Bau, zum Teil noch mit Formen des Übergangsstils, stammt aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrh., hat einen Turm von 68 m Höhe und bemerkenswerte Portale. Die Stadt hat ein Gymnasium, einen Gerichtshof erster Instanz und mehrere Hospitäler. Es befinden sich daselbst eine Glashütte, Papiermühlen, Marmorsäge, Gerbereien, Getreide- und Olmühlen, Karten⸗, Messer⸗, Eisen⸗ und Kupferwarenfabriken; auch treiben die Bewohner lebhaften Handel mit den genannten Fabrikaten, sowie mit den in der Nähe gegrabenen Bausteinen und mit Marmor. Berühmt waren im Mittelalter die getriebenen Kupfer⸗ und Messingwaren von D (dinanderies); jetzt sind es die Dinanter Kuchen, aus Speltmehl und Honig gebacken. Eine Felsentreppe von 408 Stufen führt zur Festung, welche 1818 an der Stelle des 1690 von den Franzosen geschleiften Schlosses gebaut wurde, deren Werke aber seit 1879 verkauft sind, da der Ort keine strategische Bedeutung mehr hat. Eine alte Brücke über die Maas führt zu der auf dem linken Ufer des Flusses gelegenen Vorstadt St. Medard. Geschichtlich berühmt ist die Verwüstung der Stadt durch den Grafen von Charolais (Karl den Kühnen), Sohn des Herzogs XIHUI von Burgund, im Kriege gegen Ludwig XI. (1466), ferner der Sturm des Herzogs von Nevers (1554) im Dienste Heinrichs II. gegen Kaiser Karl V. Im J. 1675 ward sie abermals von den Franzosen genommen, aber im Ryswijker Frieden 1697 dem Bistum Lüttich zurückgegeben, dem der Ort seit der Hohenstaufenzeit bis 1794 gehörte. öů