FeedDiasyrmos (grch.)
HeilkundeBrockhaus 1882

Diasyrmos (grch.), das Durchziehen, Durchhecheln; die rhetorische . der Verkleinerung im Gegensatz zur Hyperbel (J. d.). Diät (vom grch. dlarra) heißt eigentlich Lebensweise, doch versteht man darunter insbesondere die gesundheitsgemäße Lebensweise, und entsprechend unter Diätetik die Lehre oder Kunst, gesundheitsgemäß zu leben. Sehr häufig wird jedoch die Bedeutung des Wortes D. noch enger gefaßt und darunter nur der gesundheitsgemäße Gebrauch der Speisen und Getränke, und unter Diätetik die Anweisung zu einem solchen verstanden. Hinsichtlich der richtigen Ernährung fragt es sich zunächst, wie, wie oft, wie viel und was man essen solle. Die Antwort wird selbst für Gesunde je nach dem Lebensalter, dem Geschlecht, dem Berufe, der Konstitution, dem Wohnort, dem Klima und der Jahreszeit verschieden ausfallen; für Kranke aber werden je nach der Art der Krankheit ganz besondere Vorschriften nötig sein. Im allgemeinen ist es von großer Wichtigkeit, daß man langsam esse und alles gehörig klein kaue. Einerseits ist es notwendig, daß die Speisen sich recht innig mit dem Speichel mischen, welcher eine höchst wichtige Rolle bei der Verdauung spielt, insofern er die Eigenschaft hat, Stärkemehl in Dextrin und Zucker zu verwandeln, in welcher Form es allein ins Blut gelangen und nahrhaft werden kann. Alles Gebäck und alle Mehlspeisen aber enthalten Stärkemehl. Andererseits ist das längere Kauen auch nötig, um die Speisen PWorde zu zerkleinern, weil größere Stücke von den Verdauungssäften nicht vollständig durchdrungen und aufgelöst werden können, daher teilweise unverdaut wieder abgehen, nachdem sie überdies den Magen und Darm belästigt und nur allzu oft Verdauungsstörungen veranlaßt haben. Wer keine gesunden Zähne hat, muß alles vor dem Essen gehörig klein schneiden und wenigstens so lange kauen, bis der Bissen gehörig eingespeichelt ist. Man soll nicht essen, während man liest oder sonst etwas nebenbei thut; auch ist es unzweckmäßig, kurz vor oder kurz nach dem Essen anstrengende Arbeit zu verrichten oder rasch zu gehen. Ein Mittagsschläfchen paßt nur für kleine Kinder und bejahrte Leute; die übrigen sollen nach dem Essen einige Zeit ruhen, aber nicht schlafen. Man esse nicht zu heiß und nicht zu kalt, am wenigsten das eine rasch hinter dem andern; beides verdirbt die Zähne und überreizt den Magen. Für Erwachsene, welche keine chr anstrengende Beschäftigung haben, genügen neben einem leichten Frühstück, welches bald nach dem Aufstehen zu nehmen ist, zwei Hauptmahlzeiten, wobei es ziemlich gleichgültig ist, ob die größere gegen Mittag oder gegen Abend genommen wird. Später als drei oder höchstens zwei Stunden vor dem Schlafengehen soll man nicht essen. Kinder, welche noch im Wachsen sind, bejahrte Leute, Schwache und solche, welche anstrengende Arbeit zu verrichten haben, sei sie körperlich oder geistig, thun gut, zwischen Frühstück und Mittagessen sowie zwischen diesem und dem Abendessen noch einen leichten Imbiß zu nehmen. Vor dem Essen rauche man nicht Tabak, weil man sich dabn wie durch vieles Rauchen überhaupt, leicht den lppetit verdirbt. Ferner esse man nicht zu viel auf einmal, da die nur beldsiot, jon Überfüllung des Magens nicht nur belästigt, sondern mit der Zeit sicher den Magen verdirbt, oft auch akute Krankheiten des Magens oder des Darms und chronische Krankheiten der Unterleibsorgane überhaupt zur Folge hat. Selbstverständlich hat man sich besonders bei den schwerverdaulichen und blähenden Speisen vor dem übermaß zu hüten. Ebenso wenig trinke man zu viel während des Essens, und wäre es auch nur Wasser, denn dadurch werden die Verdauungssäfte zu sehr verdünnt, um noch gehörig auf die genossenen Speisen einwirken zu können. Hinsichtlich der einzelnen Nahrungsmittel ist als oberster Grundsatz zu betonen, daß der Mensch weder bei ausschließlich tierischer, noch bei ausschließlich pflanzlicher Nahrungsweise, welche letztere die Vegetarianer (s. d.) verlangen, dauernd leistungs⸗ und widerstandsfähig bleiben kann, sondern vermöge der ganzen Organisation seines Verdauungsapparats auf eine gemischte Kost angewiesen ist, deren einzelne Bestandteile je nach den individuellen Verhältnissen u modifizieren sind. Um einen Erwachsenen ausschleßlich mit reinem fettfreien Fleisch zu ernähren, bedürfte es der täglichen enormen Menge von 2— 2/5 kg, welche sehr bald die Verdauungsorgane nicht mehr würden bewältigen können; zudem macht eine übermäßige Fleischnahrung das Blut zu reich an Ciweißstossen und disponiert dadurch zu Vollblütigkeit, zu Kongestionen, Entzündungen, Gicht, Bildung harnsaurer Steine u. dgl. Andererseits bedingt ein ÜUbermaß von pflanzlichen, stickstoffarmen Nahrungsmitteln (Kartoffeln, Brot, Gemüse u. s. w.) ohne genügenden Eiweißzusatz zur Nahrung eine Verarmung des Körpers an Eiweiß und Fetten und damit einen erhöhten Wassergehalt der Gewebe, der dieselben für krankhafte Zersetzungen Menge der macht, und en, ban überdies durch die Menge der unverdaulichen, auptsächlich aus Cellulose (s. d.) gebildeten Bestandteile die Verdauungsorgane, wodurch leicht Stuhlträgheit und Unterleibsstockungen entstehen. Die verschiedenen Lebensalter des Menschen verlangen eine durchaus verschiedenartige Diät. Für das Säuglingsalter ist unstreitig die Muttermilch und im Notfalle Tiermilch die naturgemäßeste Nahrung; erst gegen das Ende des ersten Jahres soll man Fleischbrühe und er Aenderd Im geben. (Vgl. Auffütterung der Kinder.) Im Kindesalter und in der Jugend, solange der Rörper noch wächst, ist wegen des Wachstums und des größern Bedürfnisses nach Bewegung das Nahrungsbedürfnis verhältnismäßig groß; gleichwohl dürfen nicht allzu viel Fleisch- oder Eierspeisen gegeben, auch müssen starke Gewürze, alle geistigen Getränke, Kaffee und Thee gemieden werden. Leichtverdauliche grüne Gemüse und Obst sind den Kindern sehr zuträglich, viel Zuckerbackwerk und Kartoffeln schädlich. Als Getränk diene Wasser oder Wasser mit Fruchtsäften (Limonaden) sowie Milch. Bejahrte Leute haben sich vorzugsweise an Fleisch und leichte Eierspeisen sowie leichtes, zuckerreiches, grünes Gemüse (Möhren, Pastinaken, Schoten u. s. w. zu halten, hinegen fettes, gepökeltes und geräuchertes Fleisch, . weres Brot, fette Mehlspeisen, Hülsenfrüchte, blähende grüne Gemüse (Kraut, 2—— zu meiden. Dagegen ist ihnen undh Gewürz, kräftiges Bier, uter Wein, Kaffee und Thee, mäßig genossen, meist ehr zuträglich, weil die schlaffer gewordenen Verdauungsorgane eine etwas reizendere Kost verlangen. Im mittlern Alter ist die Auswahl der erlaubten Speisen am größten, doch machen auch hier die Konstitution und das Geschlecht besondere Rücksichten nötig. Männer bedürfen im allgemeinen eine kräftigere und reichlichere Kost als Frauen, doch haben sich vollblütige, leicht erregbare und zu Blutwallungen geneigte Naturen, Männer sowohl als Frauen, vor zu reichlicher Kost und vor erhitzenden Speisen und Getränken zu hüten. Stubensitzer, zu Verstopfung und Hämorrhoiden Geneigte müssen sich vor schwerverdaulichen, blähenden Speisen hüten. Wer zum Dickwerden neigt, hat besonders fette, mehl⸗ und zuckerhaltige Speisen zu meiden. (S. Bantingkur.) Wer dagegen anstrengende Arbeit, besonders im Freien, zu verrichten hat, darf ungestraft die schweren Speisen wählen, und ihm, aber auch nur ihm ist der Genuß von etwas Branntwein im Winter und bei kühler oder feuchter Witterung zuträglich. Wer dagegen vorzugsweise geistige Beschäftigung hat, bedarf zwar eine ebenso nahrhafte, aber eine leichtverdauliche Kost, also gebratenes Fleisch, Eierspeisen, leichte Gemüse und leichtes Brot. Im Winter bedarf man, weil der Körper mehr Wärme erzeugen muß, eine reichlichere und kräftigere Kost als im Sommer. Besonders fette Speisen und Spirituosen sind im Winter viel angemessener als im Sommer. Daher ist auch für Nordländer die animalische Kost, Fleisch, Fett, Milch und Eier, ein bei weitem größeres Bedürfnis als für Südländer, welche mit vorwiegend vegetabilischer Kost ausreichen und sich dabei wohler befinden. (Vgl. auch Ernährung und Nahrungsmittel.) on ganz besonderer Wichtigkeit ist die Wahl der Nahrungsmittel bei allen Krankheitsfällen, da ohne eine vernünftige Regulierung der D. oft selbst die Imaedebet Heilmittel erfolglos bleiben, während umgekehrt ohne Zweifel viele Krankheiten, vor allem die des Magens und Darmkanals, allein durch ein Iönnen Man diätetisches Verhalten geheilt werden können. Man unterscheidet in dieser Hinsicht hauptsächlich zwei Formen der D.: die entzündungswidrige oder % und die roborierende oder stärkende D. Auch für den Fieberkranken ist infolge seines gesteigerten Stoffwechsels eine zweckmäßige Ernährung dringend notwendig, doch verbietet sich bei * eine reichliche Zufuhr von Eiweißsubstanzen, die für ihn wegen ungenügender Absonderung der Verdauungssäfte nicht verdaulich sind und zudem eher eine allgemeine Steigerung des Stoffumsatzes und damit des Fiebers bewirken würden; man beschränke sich deshalb auf reichliches Darreichen von Wasser, kühlen und säuerlichen Getränken, Limonaden, allenfalls Milch und Schleimsuppen aus dünnem Gerstenschleim, Hafergrütze und ähnlichen leichtverdaulichen, vorzugsweise sog. eiche auch Hne enthaltenden Nahrungsmitteln, welche auch ohne Einwirkung der Hsprozeß schlteflt einfa durch den Milchsäuregärungsprozeß schließlich gelöst und in die Sastemase aufgenommen werden können, somit die Thätigkeit der Verdauungsorgane wenig in Anspruch nehmen. Nur ganz allmählich und mit Vorsicht gehe man zu kräftigern Nährstoffen über. (S. Fieber.) Diese kühle, reizlose D. eignet sich auch bei allen Entzündungen, Kongestionszuständen, bei Neigung zu Hämorrhoiden, Gicht, Fettleibigkeit und ähnlichen durch Blutüberfüllung entstehenden Krankheiten, ist dagegen entschieden schadlich bei Schwächezuständen und allen auf allgemeiner Blutarmut heruhenden Ernährungsstörungen. Zu der roborierenden D. gehören alle Sorten von Fleisch und die verschiedenen Fleischpräparate, wie die Fleischextrakte, welche hauptsächlich durch ihren Rezam Gehalt an Kalisalzen als ein vortreffliches eizmittel auf das Nervensystem wirken, die Leubesche 1 solution, bei welcher durch Behandlung von Fleisch vermittelst starker Hitze und eines Pepsinsäuregemisches, unter luftdichtem Verschluß schon außerhalb des Magens ein Teil der Magenverdauung vollzogen ist, ferner Eier, Milch, Chokolade, Brot, Wein, besonders die süßen Ungarweine, kräftige Biere: diese D. paßt für alle Personen, deren Ernährung durch Anstrengungen, Entbehrungen und Säfteverluste herabgesetzt ist, für Blutarme, Geschwächte und Rekonvalescenten. Freilich erfordert gerade hier die Wahl der D. außer einer genauern Kenntnis der physiol. Ernährungsgesetze ein sorgsames Individualisieren und ist deshalb am besten dem ärztlichen Ermessen anheimzustellen. Litteratur: Wiel, «Tisch für Magenkrankey (2. Aufl., Karlsb. 1876); derselbe, «Diätetisches Kochbuch' (5. Aufl., Freiburg 1881); Uffelmann, Tisch für Fieberkranker (Karlsb. 1882).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 305Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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