FeedDilke (Charles Wentworth)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Dilke (Charles Wentworth), Sohn des vorigen, Schriftsteller und Politiker, geb. 4. Sept. 1843 in London, trat D. nach Vollendung seiner Studien in Cambridge 1866 eine Reise um die Erde an, die ihn durch die Vereinigten Staaten von Nordamerika nach Californien, und von dort nach Neuseeland, Vandiemensland, Australien und Ostindien führte, von wo er im Herbst 1867 über Agypten nach England zurückkehrte. Das Werk 4Greater Britain: a record of travel in English-speaking countries, during 1866—675 (2 Bde., Lond. 1868), worin er die Erlebnisse und Beobachtungen dieser Reise niederlegte, behandelte seinen Gegenstand daltherrichaft von dem Gesichtspunkte der engl. Weltherrschaft, des Einflusses der Rasse auf die Regierungsform und des Klimas auf die Rasse und errang owohl ierdurch als durch Frische und I rolg. der Darstellung einen durchschlagenden Erfolg. Besonders auf Grund dieses Erfolgs wurde D. bei den Neuwahlen von 1868 als Parlamentsmitglied für den Parlamentschie Distrikt von Chelsea gewählt. Im arlament schloß er sich der kleinen Zahl der Radikalen an und sprach zunächst male Annel e über auswärtige, indische und koloniale Angelegenheiten. Doch verlor er dabei die Fragen innerer Reform Unicht aus den Augen und errang schon bei den Debatten über die Erziehungsbill von 1870 einen bemerkenswerten Erfolg Dabt die Annahme seines Amendements für die Wahl der Schulräte mittels des allgemeinen Stimmrechts. Während der Parlamentsferien von 1870—71 erregte seine Agitation gegen die königl. Civilliste und die dabei Rcher kundgegebene Sympathie für eine republikanische Regierungsform Aufsehen; ein Antrag auf die Verminderung der Civilliste, mit dem er in der Session von 1871 hervortrat, wurde dagegen mit großer Stimmenmehrheit verworfen und D. richtete seitdem seine Aufmerksamkeit längere Zeit besonders auf die Bekämpfung der noch in vielen städtischen Korporationen herrschenden Mißbräuche. Bei den allgemeinen Neuwahlen von 1874 hatte er wegen seines vorgeschrittenen Radikalismus einen harten Kampf gegen die konservativen und gemäßigtern Wähler von Chelsea zu bestehen, ging aber trotzdem mit glänzendem Erfolg aus den Wahlen hervor und befestigte nun während der nächsten Jahre seine Stellung im Rungern als eins der begabtesten Mitglieder der jüngern Opposition. In der Session von 1878 gelang es ihm, die als Dilke's Act bekannte Maßregel durchzusetzen, wodurch die Zahl der Stunden, innerhalb deren bei Parlamentswahlen gestimmt werden darf, zu Gunsten der Wähler aus den arbeitenden Klassen vermehrt wurde. Zugleich nahm er hervorragenden Anteil an den Debatten über auswärtige Politik und entwickelte dabei eine Kenntnis und staatsmännische hungwes Rint Verhältnisse, die 1880 bei der Bildung des Ministeriums Gladstone seine Ernennung um Unterstaatssekretär für auswärtige Angelegenheiten herbeiführten. Das glänzende Talent, womit er diesem Posten vorstand, wurde von allen Parteien anerkannt. Im Dez. 1882 trat er sodann als Präsident des Lokalverwaltungsamts (Local Go. vernment Board) in das Kabinett ein. Seinen Ruf als Autor erneuerte D. durch die geistreiche polit. Satire «Florestan, prince of Monacov (Lond. 1874). Außerdem erschien von ihm: «The papers of a critic, selected from the writings of the late Charles Wentworth D., with a biographical sketch by his grandsono (2 Bde., Lond. 1875).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 353Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 2

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Literatur & Sprache 6