FeedDiluvium
NaturlehreBrockhaus 1882

Diluvium nennt man diejenigen Ablagerungen, welche der Glacialperiode oder Eiszeit ihren Ursprung verdanken. Dieselbe ist die jüngste der der Jetztzeit vorangehenden Perioden. Während ihrer Dauer war der größte Teil der nördl. Halbkugel von Gletschermassen bedeckt. In Europa erstreckten sich solche von Skandinavien aus nach SW. bis England, nach S. bis an den Thüringerwald und das A e, nach SO. bis nach Kiew und den Ural, sodaß Holland, Dänemark, Norddeutschland, Polen, Nordrußland und Finland von einer mächtigen Eisdecke verhüllt waren. Die auf diesen Arealen nach dem Abschmelzen zurückgebliebenen Grundmoränen (Geschiebelehm), Endmoränen (Steinwälle u. s. w.) und Absätze der Schmelzwasser mit ihren zahlreichen Erratischen Blöcken d.) nennt man nordisches D. Den Ursprung aller Lohge diluvialen Gebilde erklärte man früher auf folgende Weise: die sämtlichen obengenannten Territorien seien während der Diluvialperiode vom Meere bedeckt gewesen, über welches sich nur Skandinavien walche ich erhob, jedoch hoch bedeckt von Gletschern, welche sich in etwa radialer Richtung nach dem Ufer bewegten, eine Strecke weit in das Meer hinaustraten, bis ihre Enden losbrachen und als Eisberge, belastet mit aus dem Innern der skandinav. Insel stammendem Schutt, davontrieben. Sie strandeten an der Nordküste des damaligen europ. Festlandes, schmolzen und ließen ihre Gesteinlasten zu Boden sinken, wo man sie als nordisches D. wiederfindet. Von diesem genetischen Gesichtspunkte ausgehend, bezeichnete man das letztere nach dem Vorgange Lyells auch als Drift oder Driftformation. Abgesehen von diesem gewaltigen nordischen Inlandeise erzeugten aber auch der Harz, das Erzgebirge, der Schwarzwald, die Vogesen, die Pyrenäen, namentlich aber die Alpen große Gletscher, welche sich bis weit in die benachbarten Ebenen erstreckten. Auch der größte Teil von England, sowie anz Schottland war total vergletschert. In diesen sämtlichen frühern Gletschergebieten finden sich als Überbleibsel und Merkzeichen jener Zeit Grundmoränen, Endmoränen, Erratische Blöcke, Riesentöpfe, Rundlöcher, Absätze der Gletscherbäche u. s. w., welche somit alle zum D. gehören. Von Resten der diluvialen Tierwelt sind diejenigen riesiger Bären, Centier Katzen, Elefanten, Nashörner, Renntiere, Elentiere die verbreitetsten. Gleichzeitig mit diesen Tieren existierte bereits der Mensch, freilich auf der denkbar niedrigsten Kulturstufe stehend. Ihm war Ackerbau, Benutzung der Metalle, Töpferei noch unbekannt, seine Werkzeuge und Waffen waren rohbehauene Feuersteine, die Jagd, und zwar auf die reißendsten Vertreter der Tierwelt, verschaffte ihm seinen Lebensunterhalt. Nach dem fast ausschließlichen Material der damals benutzten Waffen und Gerätschaften wird jene Periode der ersten Spuren des Menschengeschlechts auch als diluviale Steinzeit bezeichnet. Vgl. Geikie, The great Ice-agey (2. Aufl., Lond. 1877); derselbe, Prehistoric Europes (Lond. 1881).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 356Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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