FeedDiminutivum
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Diminutivum oder Deminutivum (Verkleinerungswort, vom lat. deminuère, verkleinern) heißt ein abgeleitetes Wort, an welchem eine bestimmte Ableitungsendung (Suffix) dem Grundgeris den Nebenbegriff der Kleinheit gibt, der aber leicht und oft in den Sinn der Kindlichkeit, Zierlichkeit, Liebkosung, andererseits in den des Spottes und der Verachtung übergeht. Die zur Bildung der Diminutiva verwendeten Endungen sind sehr mannigfaltig; die indogerm. Sprachen stimmen fast alle in der Neigung überein, Suffixe mit und k in dieser Bedeutung zu verwenden, dies aber in den verschiedensten Verbindungen mit andern Elementen. Im ältern Deutsch sind gebräuchlich Ii (wurmeli, Würmlein), so althochdeutsch, daraus mittelhochdeutsch -Je oder 1 (Kindel Kindchen) und Un kindelin), letzteres das neuhochdeutsche -lein. In den niederdeutschen Mundarten herrscht seit alter Zeit dagegen die Endung kin, kin, ken, daraus unser -chen, das auffallenderweise in unserer hochdeutschen Schriftsprache die Endung ein fast verdrängt hat. Das chen war bereits im Mittelalter in Mitteldeutschland gebräuchlich, aber noch bei Luther herrscht Jein vor. Im Deutschen werden außer Substantiven nur Verba deminuiert (lächeln, spötteln, kränkeln), selten oder nie z. B. Adjektiva. Vom D. unterscheidet man in der Regel das hypocoristicum (Schmeichelwort, Kosewort), das der Form nach —4— ein D. sein kann, aber auch andere Formen hat, namentlich in einer Abkürzung der Personennamen besteht (Fritz, Kunz - Friedrich, Konrad, Kuno für Konrad). In manchen Sprachen (3. B. den romanischen und slawischen) sind auch Suffixe für den Ausdruck des Großen, Plumpen vorhanden; die damit gebildeten Worte heißen Augmentativa. Die Beliebtheit der Deminuierung ist in verschiedenen Sprachen sehr verschieden; während sie z. B. im Deutschen mäßig angewendet wird, ist sie in den slaw. Sprachen sehr häufig, im Litauischen sogar so, daß oft zwei und drei Diminutivendungen hintereinander demselben Worte angefügt werden; das Litauische (wie auch roman. Sprachen) deminuiert auch die Adjektiva.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 357Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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