Dionysius von Halikarnaß in Karien, gelehrter Kunstschriftsteller und Lehrer der Beredsamkeit, kam etwa 31 v. Chr. nach Rom und schrieb zur Belehrung seiner Landsleute eine röm. Archäologie in 20 Büchern, worin er die ältere Geschichte und Verfassung Roms bis zum ersten Punischen Kriege erzählte. Erhalten sind davon die elf ersten Bücher (und zwar das elfte unvollständig) und von den übrigen eine größere Anzahl Bruchstücke. Herausgegeben wurde das Werk von Henr. Stephanus (Par. 1546), 76975 (Frankf. 1586), Hudson (2 Bde., Orf. 1704), Reiske (6 Bde., Lpz. 1774 77) und Kießling (4 Bde., 1860—70), und ins Deutsche übersetzt von Benzler (2 Bde., Lemgo 1771—72) und Schaller (4 Bde., Stuttg. 1827 fg.). D. hat freilich, um seinem Ideal von Geschichtschreibung zu entsprechen, ohne histor. Blick und tiefere Einsicht in das röm. Staatswesen und seine Geschichte die ihm vorliegenden ältern Geschichtswerke vielfach bis zur Unkenntlichkeit überarbeitet und entstellt und unterscheidet sich hierin sehr zu seinem Nachteil von Livius. Aber immer machen sein alheer Au Aufenthalt in Rom und die Benutzung älterer Annalisten, deren Werke verloren sind, ihn für den Geschichtsforscher auch heute noch sehr wichtig, nachdem seine rhetorische Behandlung der Geschichte, die lange einen bedeutenden Einfluß auf die Darstellung der ältesten röm. Geschichte hatte, diesen mit Recht ganz verloren hat. Vgl. Kießling, De Dionysii H. antiquitatum auctoribus latinis (pz. 1858); Nitzsch, Die röm. Annalistik⸗ (Berl. 1873); Peters, „Zur Kritik der Quellen der ältern röm. Geschichtes (Halle 1879) und Ranke in der (Weltgeschichter (Bd. 3, Lpz. 1883); 5m de „Uber die Sprache des D. von Halikarnaß in der röm. Archäologies (Aarau 1874). Weit mehr Einsicht verrät D. als kritisch-ästhetischer Schriftsteller. Aus seinem Werke Ileet Aiiοεοσν,F über die Nachahmung älterer Autoren, stammt die sog. Censura worin die vorzüglichsten griech. Dichter, Geschichtschreiber, Philosophen und Redner beurteilt werden. Einige auf Thucydides bezügliche Schriftchen gab Krüger in Dionysii historiographicas (Halle 1823) heraus. Am gehaltvollsten sind die Über-Vaον πνερπμν, Kritiken von sechs attischen Rednern. Die Rhetorik des D. ist nebst einigen andern Schriften verloren, die unter seinem Namen auf uns gekommene «Ars rhetorican (herausg. von Schott, Lpz. 1804) enthält neben Resten einer Schrift aus dem 2. Jahrh. zwei Abhandlungen von D., aber keine Teile seiner Rhetorik. Seine Scrit „De compositione verborumo gaben Schäfer (Lpz. 1809) und Göller (Jena 1815) heraus. Sämtliche erhaltene rhetorische Schriften finden sich in den Gesamtausgaben von Sylburg, Hudson und Reiske. Neuerdings sammelte Rößler die Fragmente der rhetorischen Schriften (Lpz. 1873). ionysius kommt zweimal als Name griech. Philosophen vor: eines Epikuräers, der um 200 v. Chr. lebte, und eines Stoikers aus dem 1. Jahrh. v. Chr. Beide werden als Schulhäupter angeführt.