FeedBildgießerei oder Rotgießerei
Bildende KunstBrockhaus 1882

Bildgießerei oder Rotgießerei, ein Zweig der Plastik oder 3. besteht dart im engern Sinne. Das Wesen der B. besteht darin, + von dem aus einer weichen Masse modellierten Bildwerke eine Form genommen und diese durch geschmolzenes Metall ausgegossen wird. Das vorteilhafteste Material zum Gusse bildet die Bronze, eine Mischung aus Kupfer und einem geringern Teile Zinn. Die Orientalen üben seit Jahrtausenden diese Kunst mit großem Geschick. Bei den Griechen, welche die Bronzearbeit zu einer hohen Vollendung brachten, schwankt das Verhältnis des Zinns zum Kupfer wischen ½8 und 24 auf 100 Teile, und man ver-Rand durch Veränderung der Mischungsverhältnisse den Bildsäulen mancherlei Nitan zu geben. In der ältesten Zeit wurden die Metalle mit dem Hammer behandelt; das Metall wurde in dünnen Platten auf den Holzkern aufgeschlagen und zusammengenietet, ähnlich wurden Teile von Gebäuden und ganze Wände (3. B. in den Grabkammern) mit Platten überzogen. Doch kam schon in den Frühzeiten der griech. Kunstübung der Biomeguß zur Anwendung. Seine Erfindung oder doch erhöhte Ausbildung wurde dem Rhoikos und Theodoros von Samos, im Zeitalter des Cyrus, beigemessen. Man verfertigte zum Teil sehr große Bronzewerke. Die Statue wurde über einen feuerfesten Kern aus Wachs bossiert, und darüber eine thönerne Form gestrichen, in welcher Röhren zum Ausströmen des geschmolzenen Wachses und zum Einströmen des Erzes gespart waren. Doch goß man zu Anfang nur einzelne Teile, die man sodann durch eine Art Klammern, die 0 Schwalbenschwänze, zusammenfügte. Seine Blüte erreichte der — uß in den peloponnes. Schulen. it dem m der antiken Kunst verschwand auch die höhere Ausbildung dieses Kunstzweigs. Derselbe kam zwar das Mittelalter hindurch noch häufig zur Anwendung, aber man vermochte weder größere Darstellungen in Einem Gusse zu fertigen, noch das Metall leicht und dünn in die Form zu fügen, noch auch die leßtere in vollkommener Schärfe und Feinheit auszufüllen. Der Glockenguß erhielt indes die technische Kenntnis des Fachs lebendig, worüber der Mönch schrung gib im 11. bis 12. rd ausführliche Belehrung gibt. Zu den ältesten Arbeiten dieser Art in Deutschland gehören die Bronzethüren am Dome zu Augsburg und die Arbeiten des Bischofs Bernward von Hildesheim, der selbst ausübender Künstler war. Erst gegen das Ende des Mittelalters, im 15. Jahrh., fing die B. an, sich wieder zu heben. Italien leistete in seinen verschiedenen Schulen nicht Unerhebliches. Dem Giov. Pisano standen bei seinen Arbeiten am Brunnen in Perugia tüchtige Gießer zur Seite. Die Arbeiten Lorenzo Ghibertis, vor allem seine berühmten Thüren am Baptisterium zu Fenesde zeigen eine hohe Vollkommenheit in der Reliefdarstellung. * in Venedig gab der Aufschwung der Skulptur überhaupt Ver-Janlassung zu trefflichen Werken des Gusses. Außerdem ist nament 9 er Nachfolger Michel Angelos, B. Cellini (s. d.), hervorzuheben, sowie die Familie der Lombardi, deren bestes Werk ein Rared ronzealtar in der Kapelle Zeno von San-Marco ist. Deutschland war es die Familie Vischer von Nürnberg, welche zählreiche Bronzearbeiten in größern Gegenständen wie im Sebaldusgrab, Statuen am Monument Maximilians I. in Innsbruck, und in kleinerm Geräte hervorbrachte. Das 17. und 18. is d war der Schnnter mit weniger günstig. Es ist besonders Schlüter mit seinem Reiterbilde des Großen Kurfürsten zu Berlin zu nennen. Als Folge des neuen Aufschwungs, den die Kunst seit dem Ausgange des 18. Jahrh. genommen, zeigten sich in neuester Zeit die großartigsten Resultate auf dem Gebiete des Metallgusses. Einen bedeutenden Wirkungskreis wies ihm König Ludwig I. von Bayern in seiner Residenz an, wo vor allen Stiglmayr der Begründer einer wachsenden und immer großartiger sich entwickelnden Thätigkeit wurde. Ein würdiger Nachfolger ist sein Neffe, Ferd. Miller, unter dessen Leitung der Guß des Riesenstandbildes der Bavaria zu Stande kam. In Nürnberg ist Daniel Burgschmiet zu nennen, der Rauchs Dürer und Hähnels Beethoven Schwig hat, und dessen Werkstätte von seinem wiegersohne G. Lenz in rühmlichster Weise fortgeführt wird. Rauchs riedrich-Denkmal in Berlin und die Arbeiten ernkorns in Wien repräsentieren die Gußtechnik in einer materiell 1,. entwickelten Ausbildung.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 47Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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