Dithyrambus (grch.), ein Beiname des Dionysos (s. Bacchus) von ungewisser Ableitung und Bedeutung, war zugleich Name für eine Art Gesänge, in welchen in leidenschaftlich erregter Weise die Schicksale des Dionysos, mit der Zeit auch die anderer Götter und Heroen unter Begleitung von Instrumentalmusik, vorzugsweise von Flötenspiel, und in Verbindung mit mimischer Darstellung besungen wurden. Kunstmäßige Form gab dem D. gegen Ausgang des 7. Jahrh. v. Chr. Arion (s. d.). Weiter ausgebildet und gepflegt wurde er namentlich von Lasos von Hermione, Simonides von Keos, Pindar u. a. In Attika ging aus dem D. die Tragödie hervor, aber ohne daß man ** dort aufhörte, den D. mit Eifer zu pflegen. Doch geriet diese Dichtart früher als andere in Ausartung. Die tiefgehende Begeisterung, welche die ältern D. atmeten, sollte durch Schwulst der Rede und der hohe Schwung der Musik durch überreizte und überfeinerte Melodien, die Mischung der verschiedenen Tonarten und virtuosenhaften Vortrag ersetzt und überboten werden. Schon gegen Aus-Rel⸗ des 5. Jahrh. v. Chr., seit Melanippides von elos, begann diese Entartung. Der Richtung des Melanippides folgten Philoxenos von %½ Timotheos von Milet, Kinesias von Athen, Telestes aus Selinunt, Polyidos. Durch diese Dichter und Komponisten verlor der D. seinen religiösen Gehalt und seine strengere poetische Kunstform, die Gliederung in Strophen und Gegenstrophen wurde aufgegeben und an Stelle des Vortrags durch Chöre trat der durch einzelne Virtuosen. Erhalten sind nur wenige Fragmente von D. Sie sind am besten von Bergk in den «Poetae lyrici Graecie (4. Aufl., 3 Bde., Lpz. 1882) herausgegeben. Griechisch und deutsch finden sie sich in Hartungs (Griech. Lyrikerno (Bd. 6, Lpz. 1857), die Reste von Pindars D. stehen in den Ausgaben desselben.