Dnjepr, bei den alten Griechen Borysthenes, bei den Römern Danapris, bei den Türken Usy genannt, nach der Wolga und Donau der größte Strom Europas, nach der Wolga der bedeutendste Rußlands, entspringt in den Sümpfen des Wolkonfkischen Waldplateau im Gouvernement Smolensk, nicht weit von den Quellen der Wolga und Düna, und ergießt sich nach einem Laufe von 171²2 km zwischen Oczakow und Kinburn in das Schwarze Meer. Sein oberer Lauf ist sehr kurz; schon bei Dorogobush verläßt er das wellenförmige Gelände seines Quellgebietes. In seinem mittlern Laufe fließt er bis unterhalb Smolensk zwischen markierten Uferhöhen westwärts, dann aber von Orscha an südwärts in einem wiesenreichen Thale durch die unübersehbaren Tiefebenen Mohilews und Tschernigows, die fruchtbarsten Landstriche Rußlands, bis Kiew. Unterhalb dieser Stadt durchbricht er in südöstl. Richtung und in vielen Krümmungen in einem von steilen Ufern eingeschlossenen selsbette das Steppenplateau der Ukraine mit Stromschnellen (Sabori), zwischen Krementschug und Jekaterinoslaw; noch weiter unten, zwischen Jekaterinoslaw und Chorti, befinden sich auf einer trecke von 75 km die berüchtigten Porogi oder Stromschnellen. Der Strom rauscht reißend und schäumend über unzählige Steinblöcke doeten 11 seinen hohen, von steilen Granitfelsen gebildeten Ufern und fällt auf dieser Strecke etwa 50 m. Die neuerdings gemachten Versuche, den Strom durch Sprengungen von den Klippen zu befreien, haben noch zu keinem genügenden Resultat geführt, obwohl bereits mehrere Kanäle durch die Felsen gehauen sind. Die Schiffahrt über die Porogi ist nur bei höchstem Wasserstande möglich und auch dies nur mit Hilfe der Regierungslotsen aus Lotsmanskaja-Kamenka. Von Alexandrowsk durchströmt der D., gegen SW. gewendet, in seinem untern Laufe die tiefen Grasebenen des Küstenlandes am Schwarzen Meere in vielen Armen. Bei Cherson erweitert er sig zu einem 60 km langen und 5—16 km breiten Liman, dessen Wasser wegen der +9 des Meers einen salzigen Beigeschmack hat und eine große Menge von Fischen enthält. Schiffbar wird der D. schon bei Dorogobush. Doch erst vom Gouvernement Mohilew an hat er Bedeutung für den Handel. Dampfschiffe befahren ihn seit 1838 oberhalb der Porogi. Man trifft auf dem Flusse sehr viele schwimmende Mühlen. Bedeutende Nebenflüsse erweitern das Stromgebiet des D. auf 526 946 qkm. Die wichtigsten sind rechts der Drut, die Beresina, der Pripet, der Teterew, der Roß, der Inguletz, die Mokraja-Sura, links die Wereja, der oh, die 750 km lange Desna, die Sula, die Worskla, der Orel und die Samarg. Der Pripet fuhrt dem D. den ungeheuern Wasserreichtum der litauischen Sumpfniederungen zu. Der D. steht durch drei künstliche Wasserstraßen mit dem Balti⸗ + Meere in Verbindung; mit der Düna durch ie Beresina und den Beresinakanal, mit dem Niemen vermittelst des Pripet, der Jasiolda und des Oginskischen Kanals; mit der Weichsel durch den Pripet und den D.⸗Bugschen Kanal. ů Handrcoe ebirge oder Dnjeprberge, die Hügellandschaften und die hohen Ufer an dem obern und mittlern Laufe des Dnjepr. Bei der Einmündung des Sherdi erheben sich die Ufer des Dnjepr, und zwar ist anfangs das linke Ufer höher als das rechte, während weiter unterhalb von der Mündung der Wiasma, welche links in den Dnjepr fällt, das rechte Ufer vorherrschend höher bleibt. Bei der Stadt Dorogobush fallen bewaldete Felsen der Bergkalkformation von etwa 50 m relativer Höhe sehr steil zum Flusse ab; in diesem Gestein findet man als sehr charakteristische Leitmuschel Productus Gigas. Unterhalb Dorogobush bis unterhalb Smolensk treten die Hügel vom Ufer zurück, sodaß der Fluß in einem oft mehrere Kilometer breiten Thale fließt. Hierauf nähern sich die Höhen wieder dem Flusse, treten bei der Stadt Orscha dicht an das Ufer und engen den Dnjepr sehr stark ein; Sandsteine und Dolomiten der devonischen Formation treten hier zu Tage. Von Orscha an tritt das linke Ufer mehr zurück und wird flach, das rechte, steile Ufer, aus rotem diluvialen Thon bestehend, bleibt ban am Flusse und hat in der Gegend von Mohiew eine Erhebung von 120 m. Im Gouvernement Tschernigow erweitert sich das Thal, die Hügel behalten den frühern Charakter, und sind mit ausgedehnten, dichten Waldungen und Gebüschen bedeckt. Mit dem Eintritte des Dnjepr in das Gouvernement Kijew wird das rechte Ufer ansehnlich höher, und behält eine durchschnittliche Erhebung von 120 m. Die hervorragendsten Hügel befinden sich bei der Stadt Kiew, wo der Kijewo-Petscherskaja Gora, auf welchem ein berühmtes Kloster steht, eine Höhe von 210 müber dem Niveau des Dnjepr, oder 304 muabsolute Höhe erreicht. Im Gouvernement Jekaterinoslaw entfernen sich die Anhöhen immer mehr vom Flusse, werden flacher und verlieren sich allmählich im Gouvernement Cherson in der Steppe. Die Hügel im Gouvernement Kiew und Jekaterinoslaw gehören zu dem uralo-karpatischen Höhenzuge, welcher hier das Steppenplateau bildet und von den großen südruss. Strömen in südöstl. Richtung durchbrochen wird.