Dodöna, der älteste Sitz des pelasgischen Zeuskultus, mit einem hochberühmten Orakel, welches von einem heiligen Eichbaume ausging, in dessen Rauschen man die Stimme des Gottes 1 zu vernehmen glaubte. Das älteste D., welches die Ilias kennt, soll nach der Ansicht einiger alter Erklärer der Homerischen Gedichte im innern Thessalien in der Gegend der Stadt Skotusa (der dunkeln, d. h. waldreichen) gelegen haben; als Priester und Propheten des Gottes daselbst nennt die Ilias die amit ungewaschenen Füßen auf der Erde schlafenden» Seller. Dies thessalische D. aber, wenn es überhaupt jemals existiert hat, ist frühzeitig verschwunden und verschollen. Schon die Odyssee und dann die spätern Schriftwerke der Griechen kennen nur das thesprotische D., das im Innern von Epirus am östl. Fuße des jetzt Olytsika genannten quellenreichen Tomarosgebirges in einem etwa 12 km langen und 300— 1800m breiten Thale der alten Landschaft Hellopia lag. Auf einem un-Thabe in der Mitte der Längenausdehnung des ales gelegenen Hügelvorsprung erhob sich die Akropolis der alten Stadt D., deren Ruinen mit einem am Südwestabhange des Hügels en des Palo erhaltenen Theater unter dem Namen des Paäokastron von Dramerchus bekannt sind. Gerade östlich vom Theater, am Südabhange des Hügels und bis in die Ebene hinab, erstreckte sich ein geräumiges, von Mauern in Gestalt eines sehr unwerhter Piaß Vierecks umschlossenes Temenos (geweihter Platz), innerhalb dessen durch die von Konstantinos Karapanos in den Jahren 1875 und 1876 unternommenen Ausgrabungen die Überreste des Heiligtums des sowi Naios und seiner Kultgenossin, der Dione, sowie anderer zu Kultzwecken und zur Aufbewahrung von Weihgeschenken bestimmter Baulichkeiten gefunden wurden, ferner eine Anzahl Weihgeschenke hauptsächlich aus Bronze, zum Teil von altertümlicher . zum Teil von hohem Kunstwerte, endlich zählreiche Bleitafeln, auf welche Antworten des Orakels auf Anfragen von Gemeinwesen und Privatleuten über die verschiedensten Interessen des täglichen Lebens Ochrithent sind. Nach den Angaben der alten Schriftsteller deuteten bejahrte Frauen, Peleiades (Tauben) genannt, das Rauschen der Wipfel des heiligen Eichbaums und das Gemurmel eines unter emselben entsprinenden Quells aus. Dazu kam dann noch eine ünstlichere Art von Tönen, die ebenfalls als prophetisch galten, vermittelst eherner Becken, welche durch den Windhauch von Drahtschnüren berührt wurden. Eine von einigen griech. Schriftstellern wiederholte Fiktion ägypt. Priester ist die Herleitung des dodonäischen Orakels aus dem ägypt. Theben. Seitdem der ätolische Feldherr Dorimachos 219 v. Chr. die Orakelstätte plünderte, scheint die Bedeutung des Orakels gesunken zu sein; doch bestand es noch bis ins 3. oder bis — Anfang des 4. Jahrh. n. Chr. fort, bis das Umhauen der heiligen Eiche durch einen illyr. Räuber ihm ein Ende machte. Vgl. Carapanos, „Dodone et ses ruineso (1 Bd. Text und 1 Bd. Tafeln, Par. 1878); Bursian, «Die wissenschaftlichen Ergebnisse der Ausgrabungen in D.», in den »Sitzungsberichten der bayr. Akademie der 9.1573. Wies (philos.⸗ philol. Klasse, Bd. 2, Münch. 1878); Wieseler, Uber die Entdeckung von D.y, in den RNachrichten von der Gesellschaft der Wissenschaften und der Universität zu Göttingen » (1879, Nr. 1). ö war bei den alten Griechen ein sprichwörtlicher Ausdruck für einen Schwätzer. In Dodonag (s. d.) nämlich stand neben einem ehernen Kessel die Bronzestatue eines Knaben, welcher eine aus drei Ketten ebildete Geißel in der Hand hielt. Sobald der Wind die Geißel in Bewegung setzte, schlug sie an den Kessel an und brachte ihn zum Tönen. Wahrscheinlich wurden die so entstandenen Töne auch zur Weissagung benutzt. [bert).