FeedDogma (grch.)
TechnikBrockhaus 1882

Dogma (grch.) heißt jede Lehrmeinung, welche als positive Behauptung ausgesprochen wird, sei es, daß sie als Lehrsatz bewiesen ist, oder als ein Satz religiöser Offenbarung geglaubt werden soll. Dogmatismus oder Dogmaticismus, auch dogmatische Methode heißt dasjenige wissenh0r tliche Lehrverfahren, bei welchem man, wie in er Mathematik, von Grundsätzen ausgeht und aus diesen durch Beweise die Lehrsätze ableitet. Da nun die Erkenntnis der gegebenen Wirklichkeit nicht von lchen allgemeinen Grundsätzen aus, wie es in der athematik geschieht, gewonnen werden kann, so hat Kant unter dem Dogmatismus die unberechtigte Behauptung verstanden, daß es sowohl von dem wahren — dessen, was Gegenstand der Crahrung ist, als auch von dem, was über alle ahrung hinausliegt, eine unmittelbare Erkenntnis aus angeborenen Begriffen gebe, und dem Dogmatismus den Kritizismus (s. d.) entgegengestellt, D8 2 von einer Prüfung der Erkenntnisfähigkeit des Menschen ausgeht. Außerdem steht auf dem Gebiete der Philosophie dem Dogmatismus der Skeptizismus (s. d.) entgegen, welcher mit dem Kritizismus nur die polemische Richtung gegen die unbewiesene und unbeweisbare Aufstellung von Lehrsätzen, mit dem Dogmatismus dagegen die un-Wefen u Annahme gewisser Voraussetzungen über Wesen und Aufgabe des Erkennens teilt. Beim mündlichen Unterricht nennt man dogmatische Lehrart eine solche, welche bestimmte Erkenntnisse im ununterbrochenen Zusammenhange mitteilt, im Gegensatze zur katechetischen, welche in dialogischer Art die Erkenntnisse aus dem Denkvermögen des Schülers selbst zu entwickeln sucht.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 426Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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