Domitius war der Name einer angesehenen plebejischen Familie in Rom, die namentlich aus zwei durch die Beinamen Ahenobarbus und Calvinus unterschiedene Linien bestand. Als bedeutendere Persönlichkeiten aus der Linie der Ahenobarbi sind zu nennen: Gnäus D. Ahenobarbus, welcher 122 v. Chr. als Konsul und 121 als Prokonsul im südl. Gallien erfolgreich gegen die Allobrogen kämpfte. Nachdem der Konsul Q. Fabius Maximus in Verbindung mit ihm am 8. Aug. 122 den Allobrogern und Arvernern eine große Niederlage beigebracht hatte, besiegte D. die Arverner nochmals bei Vindalium (oberhalb Avignon) hauptsächlich mit Hilfe seiner Elefanten. Sein gleichnamiger Sohn Gnäus D. Ahenobarbus brachte als Tribun 104 v. Chr. ein Gesetz durch, nach welchem die meisten Priesterstellen nicht mehr durch eine Selbstergänzung von seiten der Priesterkollegien, sondern durch Tribuswahl besetzt werden sollten; von den 35 Tribus sollten 17 durch das Los zu diesem Zwecke ausgewählt werden. D. wurde 96 v. Chr. Konsul und erließ als Censor 92 v. Chr. mit L. Crassus ein Edikt egen die lat. Rhetorschulen. Seit 103 war er ereits Pontifer Maximus. Lucius D. Ahenobarbus, Sohn des vorigen, war Gemahl von Catos er urinh Porcia und ein entschiedener Anhänger der aristokratischen Partei. Er war 54 v. Chr. Konsul und wurde 49 zum Nachfolger Cäsars als Statthalter im jenseiti0 Gallien bestimmt. Nach dem Ausbruche des ürgerkriegs befehligte er die in Corfinium zusammengezogenen Truppen und geriet durch seinen Eigensinn und seine Kopflosigkeit in die Hände Cäsars. Von diesem freigelassen, ging er nach Massalia (Marseille) und veranlaßte diese Stadt zum Widerstande gegen Cäsar. Als sie sich letzterm ergeben mußte, entkam D. Er fiel auf der Flucht nach der Sohn G bei Pharsalus 48 v. Chr. Sein Sohn Gnäus D. Ahenobarbus war mit seinem Vater in Corfinium und nahm an der Schlacht von Pharsalus teil, wurde aber von Cäsar begnadigt. Doch schloß er sich der Verschwörung gegen diesen an und wurde nach Cäsars Ermordung zur Verbannung verurteilt. Nachdem er während des Bürgerkriegs als Flottenführer unter Statius Murcus sich ausgezeichnet und nach der Schlacht von Philippi 42 v. Chr., während Statius zu Sextus Pompejus ging, mit seiner Flotte eine Zeit läng selbständig im Adriatischen Meere sich behauptet hatte, ging er mit dieser 40 v. Chr. zu Antonius über, unter dem er dann Unterstatthalter von Bithynien war. D. wurde 32 v. Chr. Konsul. Das Jahr darauf ging er in Epirus kurz vor der Schlacht bei Actium zu Octavian über, starb aber bald nachher. Sein Sohn Lucius D. Ahenobarbus, Gemahl der ältern Antonia, der Tochter des Marcus Antonius und der Schwester des Augustus Octavia, ein anmaßender, roher und verschwenderischer Mensch, war 16 v. Chr. Konsul, 10 v. Chr. Statt-Lalter von Afrika, und unternahm später als Statthalter, wie es scheint, von N me (d. h. von dem damals noch vereinigten Dalmatien und Pannonien) einen glänzenden Kriegszug von der Donau aus durch ganz Deutschland bis Über die Elbe. Im N 1 v. Chr. wurde er als Oberbefehlshaber an den Rhein selbst geschickt, wo er den Germanen gegenüber sehr vorsichtig auftrat. D. starb 25 n. Chr. Sein Sohn Gnäus D. Ahenobarbus erhielt 28 v. Chr. die Tochter des Germanicus, Agrippina, zur Gemahlin, welche ihm den nachmaligen Kaiser Nero gebar. Er starb 39 n. Chr. Von seinen Schwestern war die eine an Gajus Passienus Crispus verheiratet, welcher sich aber von ihr trennte, um seine Schwägerin Agrippina zu heiraten. Nero Eh diese Schwester seines Vaters vergiften, um sich ihres Vermögens zu bemächtigen. Die andere Schwester des D., Domitia Lepida, gebar dem Valerius Messala Barbatus die Messalina, und war dann die Gemahlin des Appius Silanus, den ihre Tochter Messalina töten ließ, weil er ihren Lusten nicht dienen wollte. Sie fiel 54 v. Chr. kurz vor dem Tode des Claudius als Opfer der Eifersucht Agrippinas, mit der sie um die Liebe Neros wetteifernd sich bemühte. Aus der Linie der Calvini, welche weit früher, schon 332 v. Chr. durch Gnäus D. Calvinus, zum Konsulat gelangte, sind hervorzuheben; Gnäus D. (Calvinus, der 283 v. Chr. Konsul und 280 v. Chr., als Pyrrhus gegen Rom heranrückte, Diktator, sodann noch im gleichen Jahre der erste plebesische Censor wurde, der das Lustrum (s. d.) abielt. —Gnäus D. Calvinus, Konsul 53 v. Chr., efehligte 49 und 48 v. Chr. im Bürgerkriege unter Cäsar. Nach Cäsars Ermordung sollte er eine Truppenabteilung über das Adriatische Meer 5 Epirus übersetzen, ward aber überfallen und verlor fast die ganze Flotte. Nachdem er 40 v. Chr. nochmals Konsul gewesen war, besiegte er 37 als Statthalter in Spanien die Cäretaner, wofür ihm der Triumph zuteil ward. ½ (Gnäus D. Corbulo), s. Cor⸗