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ErdkundeBrockhaus 1882

Dora (frz. Doire) heißen zwei linke Nebenflüsse des Po in Piemont: die Dora Baltsa entspringt am Ostabhange des Montblanc-Massivs mit zwei Quellen am Col Ferret (2536 m) und am Col de la Anlee⸗ (2532 m), dessen Bach im Hintergrunde der Allée-Blanche den Kleinen Combalsee (1761m) bildet. Etwa 2 km oberhalb Courmayeur vereinigen sich die beiden Quellbäche und der Fluß tritt in das Val d'Entröves, dann bei Pré St.⸗Didier (1000 m) in das Aostathal, welches er zuerst in südöstl., später in östl. Richtung durchfließt. Bei St.⸗Vincent (543 m) wendet er sich wieder nach SO. und gelangt durch eine Reihe abwechselnder Engpässe und Thalweiten, an den mächtigen Burgtrümmern von Mont-Jovet und Challant und dem Fort Bard vorbei, nach Ivrea (234 m), wo er in die Ebene hinaustritt. Im Ober⸗ und Mittellaufe ein wildes Bergwasser mit zählreichen Stromschnellen und Wasserfällen, wird er im Unterlaufe (von Ivrea an) schiffbar und ist mit der Sesia durch mehrere Kanäle verbunden. Nach 150 kmelangem Laufe mündet er 4 km oberhalb Crescentino in den Po. Die wichtigern Zuflüsse sind links der Bullier, welcher dem Flusse unweit Aosta die Gewässer des Großen St. Bernhard und des Val Pelline zuführt; die Tournanche, die vom Matterjoche kommt und bei dem alten malerischen Städtchen Chätillon mündet, und die Lesa oder Lys aus dem Val u dee 2 Von der rechten Seite nimmt die D. auf: die Thuille vom Kleinen St. Bernhard und die Bäche von Val Grisanche, Val des Rhomes, Val Savaranche und Val de Cogne. Zwischen dem Montblanc-Massiv, den Walliser und den Grajischen Alpen eingeschlossen, nach SO. gegen die piemont. Tiefebene geöffnet, vereinigt das Thal der Dora Baltea die üppige Schönheit der italischen Landschaft mit der Großartigkeit der Hochalpen. auf reiche röm. Überreste, Schlösser und Ruinen auf den Bergvorsprüngen, uralte Städte und Burgflecken im Thalgrunde weisen auf die histor. Bedeutung des Thals hin, durch welches sich die Heere Hannibals, Karls d. Gr. und Napoleon Bonapartes nach Italien ergossen. Auch für den Handels⸗ und Touristenverkehr zwischen Frankreich, der Schweiz und Oberitalien it die Landschaft Aosta wichtig: an die große Straße des Hauptthals, welche 103 km lang von Courmayeur nach Ivrea führt und hier an das piemont. Bahnnetz anknüpft, schließen sich bei Courmayeur die Saumwege des Col de la Seigne (Savoyen) und des Col Ferret (Wallis), bei Pré St.⸗Didier die Straße des Kleinen St. Bernhard, bei Aosta die des Großen St. Bernhard und bei Chätillon der Paßweg über das Matterjoch. Die andere D., die Dora Riparia oder Ripuaria, entspringt als Ripa am Col de Rodoret in den nördl. Cottischen Alpen, biegt bei Cesanne (1348 m) am Fuße des Mont-Genövre von NW. nach NO. um, empfängt bei Oulx (1066 m) links die Bardonnöche, wendet sich bei Susa (495 m) nach O. und fließt an Bussoleno, Condove und Avigliano vorbei nach Alpignano, wo sie in die piemont. Ebene tritt. Nach 120 Em langem Laufe ergießt sich der Fluß 2 Km nördlich von Turin (276 m), 32 km oberhalb der Mündung der Dora Baltea, in den Po. Obwohl von weniger hohen Gebirgen eingeschlossen als das Thal der Dora Baltea, steht doch das Thal der Dora Riparia jenem an landschaftlicher Schönheit kaum nach. Seine obern Stufen bestehen aus einer Reihe wilder Schluchten, welche der Fluß tosend und schäumend durchbricht, und erst enberd der berühmten Chiusa San-Michele, gegenüber Condove, erweitert es sich zur breiten, behäbigen Thalebene. Auch an histor. Bedeutung bleibt das Thal der Dora Riparia, die alte Einfallpforte der Franken nach Italien, mit ihren beiden berühmten Paßwegen über den Mont-Cenis und den Mont-Genövre, nicht hinter der Landschaft Aosta zurück. Für den Handels- und Transitverkehr zwischen Frankreich und Italien dagegen ist es ungleich wichtiger als diese, seit es von Turin bis Oulx (76 Km) von der Mont-Cenis-Bahn durchzogen wird.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 482Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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