Dorier (grch. Dorieis), ein griech. Volksstamm, der seine namentlich im Gegensatze zu den Joniern (d.) Gan ausgeprägte Stammeseigentümlichkeit, die sich hauptsächlich in der Sprache (dor. Dialekt), in der Musik und der mit dieser engverknüpften dor. Poesie (dor. Tonart und dor. Lyril), sowie in der Baukunst (dor. Baustil) zeigt, in seinen frühesten Wohnsitzen im europ. Griechenland am Olympos und Ossa in der thessal. Landschaft Hestiäotis und in der Landschaft Doris (s. d. am Ota zuerst entwickelte und im Peloponnes weiter ausbildete, welchen er infolge der sog. Dorischen Wanderung zum größern Teile occupierte (die Landschaften Argolis, Lakonien und Messenien wurden ganz dorisiert). Von Argolis und Lakonien aus besetzten die D. auch einen Teil der Küste des südl. Kleinasien und der davorgelegenen Inseln (die asiat. Doris) und einige Inseln des Agäischen Meers, wie Melos und Thera. Auch auf Kreta bildeten frühzeitig D. den Hauptbestandteil der Bevölkerung. Ferner wurden von Korinth und von Lakonien aus im westl. Hellas, auf Sicilien und in Unteritalien Kolonien gegründet, die bald zu hoher Blüte gelangten; ebenso von den dorisierten Megarern am Bosporus, am Pontus Euxinus und auf Sicilien. Von Thera aus sind dor. Ansiedelungen in der Cyrenaika gegründet worden. Derjenige Staat, in welchem der dor. Volkscharakter nach allen Seiten hin am schroffsten sich ausprägte, war Sparta, dessen gewöhnlich auf Lykurgus zurückgeführte polit. Einrichtungen unter Einwirkung der eigentümlichen militärisch-polit. Lage der Spartiaten das Muster einer fast nur auf kriegerische Tüchtigkeit abzielenden, alles Individuelle mit eiserner Konsequenz den Zwecken des Gemeinwesens unterordnenden Verfassung darboten. Vgl. O. Müller, «Die D.y (2. Ausg. von Schneidewin, 2 Bde., Bresl. 1844); E. Curtius, «Griech. Geschichtes (5. Aufl., Bd. 1, Berl. 1878).