FeedDorn (Joh. Albrecht Bernh.)
Sagen & MythenBrockhaus 1882

Dorn (Joh. Albrecht Bernh.), ausgezeichneter Orientalist, geb. 11. Mai 1805 zu Scheuerfeld im Herzogtum Coburg, studierte in Halle und Leipzig zuerst Theologie, wandte sich aber bald dem Studium der orient. Sprachen zu. Nachdem er sich 1825 zu Leipzig habilitiert, erhielt er 1826 durch Frähns Vermittelung einen Ruf als ord. Professor der morgenländ. Sprachen an die Universität in Charkow, wo er nach einer längern wissenschaftlichen Reise durch England und Frankreich 1829 sein Amt antrat. Nach sechsjährigem Aufenthalte daselbst wurde er als Professor der Geschichte und Geographie Asiens an dem orient. Institute des Ministeriums der auswärtigen Angelegenheiten nach Petersburg berufen, nach Aufhebung dieses Lehrstuhls aber 1843 als Oberbibliothekar der kaiserl. öffentlichen Aulededen angestellt. Die Ernennung D.s zum Mitgliede der Akademie der Wissenschaften und zum Direktor des Asiatischen Museums hatte schon 1839 und 1842 stattgefunden. Seine amtliche Stellung veranlaßte D. zur Bearbeitung des Catalogue des manuscripts et xylographes orientauxo (Petersb. 1852), sowie des Werks Das Asiatische Museum der kaiserl. Akademie der Wissenschafteno (Petersb. 1846). D.s wissenschaftliche Bestrebungen waren vorzüglich auf Erforschung der Geschichte und Sprache der Afghanen sowie auf die Geschichte, Geographie und Sprachen Kaukasiens und der südl. Küstenländer des Kaspischen Meers gerichtet. Doch hat er außerdem namentlich auch auf dem Gebiete der gesamten mohammed. Münzkunde durch Veröffentlichung zählreicher Abhandlungen und durch (Bd. 1 u. 2, Petersb. 1877) Vorzügliches geleistet. In ersterer Beziehung sind zu nennen: „Grammatische Bemerkungen über die Sprache der Afghaneno (Petersb. 1840), & Chrestomathy of the Pushtu or Afghan languager (mit Glossar, Petersb. 1847) und die „History of the Afghans, translated from the Persian of Neamet-Ullaho (2 Bde., 1829—36). Die nördl. Provinzen Persiens und der westlich angrenzenden Gebiete Kaukasiens betreffen die Ausgaben von Sehireddins Geschichte von Tabaristan, Rujan und Masanderand (Petersb. 1850), von Chondemirs (Geschichte Tabaristanso GPetersb. 1850), von Ali ben Schems-eddins «Khanisches Geschichtswerk» (Petersb. 1857), von Fumenis (Geschichte von Giland (Petersb. 1858) und „Auszüge aus mohammed. Schriftstellern über Geschichte und Geographie der südl. Küstenländer des Kaspischen Meerso (Petersb. 1858). In den (Beiträgen zur Kenntnis der iran. Spracheno (Bd. 1 u. 2, Petersb. 1860 —66) veröffentlichte er die ersten Texte in dem pers. Dialekt von Mafanderan. Die J. 1860 und 1861 verbrachte er auf einer wissenx — Reise in den Kaukasus, nach Masanderan und Gilan, von der er mit einer reichen Ausbeute von Sprachmaterial namentlich für das Masanderanische, Gilanische, Talysch und Tat und vielen für die Geschichte jener Länder wichtigen Inschriften Lemaniape Ein Ergebnis dieser Reise war auch ein umfangreiches Werk: Caspia. über die Einfälle der alten Russen in Tabaristand (Petersb. 1875). Außer den genannten größern Werken hat D. noch viele wertvolle, in den Mémoiresv und Bulletinso der petersburger Akademie zerstreute Beiträge zur Geschichte, Geographie u. s. w. des mohammed. Orients geliefert. D. starb zu Petersburg 31. Mai 1881.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 492Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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