Dover, Municipal⸗ und Seestadt in der engl. Grafschaft Kent, 114 km von London, an der schmalsten, 33,5 km breiten Stelle der Meerenge von Calais oder D. (Strait of D.), 45 km von Kap Gris-Nez, 50 von Boulogne, 48 km von Calais, Parlamentsborough, durch seine Seebäder bekannt, liegt am Ausgange des romantischen, von Kreidefelsen umschlossenen Thals des Dour oder Idle und zählt 28 486 E. Der für die Reisenden und Badenden gebaute Teil liegt östlich, unterhalb der Schloßklippen, und zwei Dörfer sind bereits damit zusammengewachsen. Die Bewohner treiben Schiffbau, Fischerei, Brauerei u. s. w.; in der Nähe lieen große Papierfabriken. D. ist Station für die Patetboote und die Küstenlotsen. Die meist kleinen, braun oder olivenfarbig angestrichenen Häuser mit grauen Schieferdächern, Schiebefenstern und perschroffenen Thüren geben der Stadt ein düsteres Ansehen. Sie hat zwei Kirchen des heil. Jakob, des Schutzheiligen der Seeleute, eine 1216 errichtet und eine von 1862, und die Marienkirche, welche die Normannen stifteten. Auch haben alle Dissenters daselbst Bethäuser. Unter den öffentlichen Gebäuden zeichnen sich aus das Stadthaus, das Hospital, das Schauspielhaus und das Kasino. Der innere und äußere Hafen, 2,5 und 3 ha groß, leiden an Versandung. Der Zufluchtshafen, durch den 640 m langen Admiralitäts-Molo geschützt, umfaßt 151,5 ha. Mit Calais und mit Ostende ist D. durch reelmäßigen täglichen Dampfschiffverkehr sowie durch ubmarine Telegraphen verbunden. Im J. 1877 fand eine Hafenbewegung von 4400 Schiffen von 881775 t statt; die Zahl der Passagiere zwischen D. und Calais belief sich auf 180980. Der Wert der Einfuhr 1879 betrug 117,8, der der Ausfuhr 24,2 Mill. Mark. über Folkstone und Ashford führt von D. eine Eisenbahn nach London. Die Kreidelager in der Nähe haben eine Mächtigkeit von 230 m. Die Höhen von D. selbst sind zu beiden Seiten stark befestigt. Die nördliche, 120— 150 m hoch, trägt das von den Römern erbaute, von den Normannen erweiterte alte Schloß, Dover-Castle, mit dem von Wilhelm dem Eroberer angelegten Kastell, 22,3 ha bedeckend, mit Wällen, Gräben, bombenfesten Magazinen, Kasematten und Kasernen für 2500 Mann, der Schlüssel von England. Ein scharfes oder bewaffnetes Auge erblickt von hier bei hellem Wetter die Fensterscheiben von Calais. Auf der südwestl. Seite steht das neue Fort und unweit davon der berühmte Shakspeare-Felsen (Shakspeare-Cliff, bekannt aus des Dichters KKönig Learo). Dover-Castle galt seit der Verstärkung durch Wilhelm den Eroberer für unuberwindlich; doch wurde es unter Karl I. von einer kleinen Abteilung des Parlamentsheers genommen. Als Napoleon J. von Boulogne aus mit einer Landung in England drohte, sah man sich genötigt, D. mehr nach den Regeln der neuern Be-D1 Beutt da zu verstärken. Seitdem beherrschen die Werke das ganze Seeufer und werden auf den Anhöhen noch immer verstärkt. Die Werke bedürfen zu ihrer Verteidigung 6000 Mann, die sämtlich in bombenfesten, teilweise in den Felsen eingehauenen Räumen untergebracht werden können.