FeedDrachenblut
PflanzenreichBrockhaus 1882

Drachenblut (Sanguis Draconis, Resina Draconis) wird ein dunkelrotes, sprödes, geruch⸗ und geschmackloses Harz genannt, welches sich zu einem roten Pulver Genundi läßt und in Alkohol, Essigsäure, ätherischen und fetten Olen leicht, in Alkalien mehr oder weniger leicht löslich ist. Dieses in früherer Zeit als Heilmittel vielfach angewendete, gegenwärtig aber fast nur noch zu gefärbten Firnissen und zur Herstellung der Tischlerpolitur benutzte Harz kommt in mehrern, von ganz verschiedenen Bäumen der warmen Länder stammenden Sorten in den Handel. Die wichtigern sind: 1) das ostindische D., von Calamus Draco, einer in Hinterindien und auf den Molukken einheimischen Palme mit eiförmigkugeligen, 3 em starken, schuppigen Früchten, aus denen das Harz hervordringt; 2) das canarische D., von Dracaena Draco (s. Dracaena), welches aus unförmlichen, erdigen, braunroten, zinnoberrot bestäubten Massen besteht; 3) das amerikanische oder westindische D., soll von Pterocarpus Draco L. abstammen. Am verbreitetsten im Handel ist das ostindische, von dem man vier Sorten unterscheidet, nämlich D. in Thränen oder Körnern, D. in Kuchen, in Stangen und in Massen. Die beste Sorte ist das D. in Thränen, die mit Baststücken oder Streifen, aus Palmblättern bestehend, nach mehrern sich kreuzenden Richtungen überbunden werden. Diese Sorte trittsfreiwillig beim Reifen zwischen den Schuppen der Frucht hervor. Nachdem die Thränen abgenommen sind, werden die Früchte durch Wasserdampf erwärmt, wodurch ein lebhafter Harzausfluß eintritt, der gesammelt und als D. in Kuchen in den Handel kommt. Die nach dem Dämpfen zusammengekneteten Früchte bilden das D. in Massen. Oder es werden die Früchte nach dem Dämpfen auch wohl noch über freiem Feuer weiter erhitzt, wobei von neuem Harz ausschwitzt, welches in geschmolzenem Zustande durchgeseiht und zu Stangen geformt wird. Das D. beicht der Hauptmasse nach (bis zu 90 Proz.) aus einem intensiv rot gefärbten Harze, dem Drachenblutstoff oder Dracin; auch enthält es oxal⸗ und phosphorsauren Kalk, Benzos⸗ und etwas Zimtsäure. ö

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 516Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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