Dravidas oder Drawidas, der Name eines Volks⸗(Sprach⸗) und Menschenstammes. Die D., welche wahrscheinlich eine sowohl von der mittelländischen (kaukasischen) als von der hochasiatischen (mongolischen) verschiedene Rasse bilden, waren die Bewohner Vorderindiens, ehe dieses von den aus Nordosten, dem iranischen Hochlande, einbrechenden Ariern (dem Sanskritvolke) in Besitz genommen wurde. Dieser Einbruch mag um 2000 v. Chr. stattgefunden haben, da die ältesten litterarischen Denkmäler der Arier, Hymnen und Sagen, bloß von den Ansiedelungen derselben im heutigen Pendschab Kunde geben und von dem Gangesthal und dem Dekhan noch nichts wissen. Wie es scheint, wurden von diesem Zeitpunkte an infolge des immer kräftigern Vordringens der Arier die D. teils unterworfen, indem sie als dienende Kaste den drei alten freien Kasten der Priester, Krieger und Landbebauer angereiht wurden, teils in die wilden, unwegsamen Gegenden des Innern zurückgedrängt, wo sie als vogelfreie Barbaren ein kümmerliches Dasein fristeten. Am schwersten war die Unterwerfung derselben im Süden (im Dekhan), wo sie durch das gebirgige Terrain gegen die Invasion der Arier ungleich besser geschützt waren als in dem ebenen, größtenteils ch nic Norden. Die Unterwerfung wurde hier auch nicht mit dem Schwerte, sondern, wie die Sage selbst berichtet, durch die brahmanische Civilisation vollzogen, weshalb auch, im Gegensaße zum Norden, welcher Sprache und Sitte des fremden Eroberers annahm, der Süden bis zur Gegenwart der alten Sprache und Sitte treu geblieben ist. Daher finden sich jetzt die D. nur noch als die Aboriginer des Dekhan und einzelner Gebirgsgegenden des nördl. Binnenlandes. Ein 11ν* im Norden sitzender Stamm, der wahrscheinlich den ersten Anprall der Arier auszuhalten hatte, scheint damals in die gebirgigen Gegenden Balutschistans abgedrängt worden zu sein, wo er noch jetzt in den Brahuis (s. d.) fortlebt. Die D. im weitern Sinne sondern sich in zwei scharf geschiedene Stämme, nämlich den sog. Munda- oder Kolhstamm (auch Windhyavölker genannt), und den Dravidastamm im engern Sinne. Der Munda⸗(Kolh⸗) Stamm nd eine Reihe von Völkern dunkler Hautfarbe und verschiedenartiger Sprache, welche auf dem Hochlande und den Gebirgen des nördl. Indien wohnen und dessen Verhältnis zu dem Dravidastamme im engern Sinne noch nicht klar gestellt ist. Es ist wahrscheinlich, daß Mundas und D. zu einer und derselben Rasse gehören und sich nur durch die grundverschiedenen Sprachen unterscheiden; es ist aber auch möglich, daß die Mundas eine ältere Rassenschicht darstellen, auf welcher sich später die Schicht der D. abgelagert ey Im letztern Falle hätte man in Indien drei zevölkerungsschichten zu unterscheiden, nämlich als die älteste die Mundas, als die jüngere die D. und endlich als die jüngste die Arier, die von uns schlechtweg genannten Inder. Zu dem Mundastamme werden gerechnet: die Kolh auf dem Hochlande von Tschota-Nagpur (Chota-Nagpore), zu denen auch die Santhal und Ho gehören, die Bhilla auf den Anhöhen der Flüsse Tapti, Nerbudda und Mahi, die Mera und Mina in der Gegend von Adschmir und andere kleinere Stämme. Gegenwärtig bilden die Munda ⸗D. fast den vierten Teil der Gesamtbevölkerung Ostindiens. Zum Dravidastamme im engern Sinne gehören: 1) die Tamulen (s. d.) im sog. Karnatik, dem darüber liegenden Hochlande und im nördl. und nordwestl. Ceylon; 2) die Telingas oder Telugus, im Norden der Tamulen von Palicat an der Ostküste bis gegen Gandscham, südlich von Orissa und dem Lande der Gond und südöstlich vom Maharattalande; 3) die Kanaresen in Mysore und in Kanara; 4) die Malabaren oder Malayalas auf der Küste von Malabar von Mangalur bis gegen Trivanderam; 5) die Gondas im sog. Gondwana. An diese Völker sind noch zahlreiche andere kleinere Stämme Ioderhaden Eine selbständige Stellung ! nehmen die der Rasse nach dem Volksstamme nahe-e stehenden Aboriginer Ceylons ein, deren Grundstock in den heutigen Weddas (s. d.) fortlebt. ÜUber — achenn der Dravidavölker s. Indische Sprachen.