FeedDschaggarnath
ErdkundeBrockhaus 1882

Dschaggarnath (nach engl. Schreibart Juggurnauth), ind. Dschagannatha (Weltherr), oder Puri lengl. Pooree), die Hauptstadt des Distrikts Puri der zu der Lieutenant-Gouverneurschaft der Untern Provinzen der indobrit. Präsidentschaft Bengalen gehörenden Division Orissa, liegt 74 Km im S. von Katak, an der Südspitze des Mahanadi-Deltas und ist wegen des dort befindlichen Heiligtums des Krischna weit berühmt. Dieselbe zählt (1871) 22695 E., hat ein sehr gesundes Klima, da während der heißen Jahreszeit die Luft durch den erfrischenden Südwest-Monsun abgekühlt wird. Die weite Hauptstraße besteht fast ganz aus heiligen Gebäuden und dazwischen liegenden Baumpflanzungen und Gärten, welche nebst schönen, teilweise aber ausgetrockneten Teichen auch die Einfassung der Stadt auf der Landseite bilden. Am Südende erhebt sich das Dschagannath-Heiligtum, zu welchem jährlich an dem großen Märzfeste Hunderttausende von Pilgern aus ganz Indien wallfahren. Es steht auf einem quadratischen Platze, umgeben mit einer hohen Steinmauer von 225,50 m Seitenlänge. Ein hohes Thor führt hinein zu einer Treppe und diese zu einer 7 m hohen Terrasse, welche eine zweite quadratische Mauer von 135 m Seitenlänge und 10 m Höhe umgibt. Auf dieser erhebt sal auf der Basis von 10 m Quadrat die wahrscheinlich 1198 erbaute Pagode von 61, m Höhe, kegelförmig sich nach oben, fast in Gestalt einer Bis ofsmütze verjüngend. Zwischen beiden Mauern haben fast alle ind. Gottheiten ihre Tempel von 23—28 m Höhe, von denenzwei kegelförmige besonders hervortreten. Der östl. Haupteingang Singh-dwar (Löwenthor) ist zu beiden Seiten mit kolossalen Greifen und andern Gestalten geschmückt; ihm gegenüber trägt eine Basaltsäule das Bild des Affengottes Hanuman. Der Haupttempel 0 dem Krischna geweiht, zugleich aber auch dem Balarama oder Siwa (Mahadeo) und seiner Schwester und Gattin Sabadhra. Doch ist Krischna als Dschagannatha der Hauptgegenstand der Verehrung. Drei 2,25 mehohe, hölzerne Blöcke, jeder oben zu einem schrecklich verzerrten Gesicht ausgearbeitet, stellen die Götter vor, ein dunkelblauer den Krischna, ein weißer den Siwa, ein gelber die Sabadhra. Jeder Gott besitzt einen großen, roh gearbeiteten Wagen (Rath). Der größte, der des Dschagannath, ist 14 mehoch, mißt 11,5 m im Quadrat und steht auf 16 Rädern, deren jedes 2mim Durchmesser hat. Bei dem Wagenfeste oder Rath-Dschatra im März werden die Idole auf ihren Wagen, von denen herab Brahmanen unter dem Beifall der Menge unzüchtige Geschichten erzählen und ebensolche Lieder singen, von Tausenden der Pilger an Stricken nach ihrem benachbarten Land⸗ —— 1 gefahren. Bis solches vor nicht allzu langer Zeit durch die engl. Regierung streng verboten wurde, opferten sich Fanatiker zu Ehren der Götter, indem sie sich von den Wagenrädern zerquetschen ließen. Die brit. Regierung kam 1803 in den Besitz von D. Bis dahin hatte es den Maharatten gehört. Diese legten den Pilgern nach dem Heiligtume eine beträchtliche Taxe auf und bestritten aus einem Teile derselben den Unterhalt der Tempel. Dieser Zustand dauerte, mit einigen zeitweiligen Modifikationen, bis 1839 der Generalgouverneur Lord Auckland die Taxe aufhob und aus Staatsmitteln dem Tempel eine jährliche Subsidie zuerst von 30000, später 23000 Rupien bewilligte. Hiergegen, als eine offenbare nch aber deue heidnischen Götzendienstes, empörte sich aber der christl. Sinn in England, sodaß die Unterstützung von Staats wegen wieder aufhören und der Unterhalt der Tempel der Priesterschaft und Bevölkerung von D. überlassen bleiben mußte. Hierfür liefern gegenwärtig ahlreiche, von den vielen Besuchern des Heiligtums frewvillig gespendete Gaben mehr als genügende Mittel.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 585Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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