FeedDumouriez (Charles François)
GeschichteBrockhaus 1882

Dumouriez (Charles François), franz. General, geb. 25. Jan. 1739 zu Cambrai als Sohn eines Kriegskommissars, trat 1757 in das Heer, welches der Marschall d'Estrées in Deutschland befehligte, wurde als Kapitän bei Klostercamp efangen und erst 1761 ausgewechselt. Nach dem Frieden 1763 verabschiedet, bereiste er als geheimer Agent der franz. Regierung Corsica, Spanien und Portugal. Als 1768 Genua die Insel Corsica an Frankreich abgetreten, wurde er vom Minister Choiseul zurückberufen und als Generaladjutant dem auf Corsica befindlichen Korps beigegeben. Später erhielt er als Oberst eine Mission bei der poln. Konföderation zu Bar, welcher er Offiziere und Geld brachte. Er organisierte selbst ein Korps, wurde aber von den Russen geschlagen und, da er überhaupt seine Vollmacht überschritten, von dem neuen Minister Aiguillon abberufen. Ohne dessen Vorwissen vertraute ihm Ludwig XV. 1772 eine geheime Sendung nach Schweden, schützte ihn aber nicht, als Aiguillon ihn zu Hamburg verhaften und in die Bastille bringen ließ. Erst Eum XVI. ließ ihn frei und ernannte ihn 1778 zum Kommandanten von Cherbourg. Beim Ausbruch der Revolution war er Marechal de Camp, bekannte sich durch eine Flugschrift zu deren Prinzipien, trat zu Paris mit Mirabeau und den üutnare in Verbindung und erhielt eine revoutionäre Sendung nach Belgien. Nachdem er 1790 als Kommandant in Nantes fungiert, verband er sich 1791 mit den Girondisten und wurde durch deren Einfluß, obwohl vom Zen Ninhnerder Generallieutenant, 1792 kurze Zeit Minister der auswärtigen Angelegenheiten. D. sprach zuerst das Wort von Frankreichs Knatürlichen Grenzen » (Alpen, Rhein) aus. Durch ihn wurde Ludwig XVI. 20. April 1792 zur Kriegserklärung gegen Osterreich bestimmt. D. begab sich hierauf 17. Juni als Divisionsgeneral zur Nordarmee, übernahm nach Lafayettes Abgang 16. Aug. den Oberbefehl über die Armee des Centrums, wurde aber (Treffen bei Grandpré, 14. Sept.) zum Rückzug gezwungen. Als die Preußen nach der Kanonade von Valmy den Rückzug antraten, wandte sich D. nach den Niederlanden und schlug 5. und 6. Nov. die Ssterreicher unter dem Herzog von Sachsen-Teschen bei Jemappes, wodurch Belgien erobert wurde. Seine Bemühungen, Preußen zu einem Separatfrieden zu bestimmen, scheiterten an der Vertragstreue Friedrich Wilhelms II. Schon zeigte sich jedoch der Konvent mistrauisch egen ihn; er hatte sich mit den einflußreichsten itgliedern überworfen, sann auf die Rettun des gefangenen Königs und reiste deshalb na Paris. Da er aber dessen Sache verloren sah, gab er sie auf. Den Feldzug von 1793, der die Eroberung Hollands bezweckte, eröffnete er mit der Beschießung von Mastricht, wurde aber 18. März bei Neerwinden vom Herzog von Sachsen-Coburg vollständi geschlagen, worauf ein Teil seines Heers sich auflöste und Antwerpen kapitulierte. Bei allen Parteien verhaßt, — 4 Sturz voraussehend, faßte er jetzt den Entschluß, die Armee gegen den Konvent zu führen und die Herrschaft der Bourbonen, wahrscheinlich in der Person des jungen Herzogs von Chartres, des spätern Königs Ludwig Philipp, den er mit sich fhrte, herzustellen. Er unterhandelte deshalb mit den — und sandte den Kriegsminister Beurnonville, der mit vier Volksrepräsentanten 2. April erschien, um von ihm Rechenschaft zu fordern, als Gefangene ins österr. Hauptquartier. Da aber die Truppen, bis auf etwa 1500 Mann, von ihm abfielen, sah er sich 4. April 1793 genötigt, mit seinem Stabe und dem Prinzen durch die Schelde zu der österr. Armee nach Tournay zu flüchten. Aus dem Gebiete des Kurfürsten von Köln, dann auch aus England verwiesen, schweifte er nun in der Schweiz, Deutschland und Italien umher, bis er in der Nähe von Hamburg auf dän. Gebiete, später in England/ 6 uh Regierung ihm eine Pension gemaer eine Zufluchtsstätte fand. D. schrieb außer mehrern Streitschriften die Mémoires du général D. (Hamb. 1794; deutsch von Girtaner, 2 Bde., Berl. 1794) und deren Fortsetzung «La vie du genéral D.5 (Hamb. 1794), die vervollständigt (4 Bde., Par. 1822) der „Collection des mémoires relatifs à la révolution françaiseo einverleibt wurden. Nach Frankreich durfte er nie wieder zurückkehren; der Konvent hatte auf seinen Kopf vergeblich den Preis von 300000 Frs. gesetzt. Er starb bei Henley an der Themse, in der Nähe von London, 14. März 1823. Vgl. Berville und Barriée, „La vie et les mémoires du général D.v (Par. 1822); Boguslawski, Das Leben des Generals D.v (2 Bde., Berl. 1879).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 637Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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