Düntzer (Joh. Heinr. Jos.), verdienter Philolog und Litterarhistoriker, geb. 12. Juli 1813 zu Köln, besuchte das Friedrich-Wilhelms-Gymnasium daselbst und widmete sich seit Herbst 1830 zu Bonn, besonders unter Welcker und Näke, altklassischen Studien, welche er im Winter 1833—34 in seiner Vaterstadt, seit Ostern 1834 unter Böckh und Lachmann in Berlin fortsetzte. Seine besondere Neigung zu sprachwissenschaftlichen Forschungen führte ihn dem Studium des Sanskrit erst unter Lassen und Schlegel, dann unter Bopp zu, als dessen Früchte Die Lehre von der lat. Wortbildung (Köln 1836) und „Die Deklination der indogerman. Spracheno (Köln 1839) erschienen. Um dieselbe Zeit veröffentlichte er auch die Preisschrift — A. de Thous Leben, Schriften und histor. Kunstv (Darmst. 1837) und mit Lersch die Schrift De versu quem vocant Saturnios (Bonn 1838), welche der Untersuchung eine neue Bahn anwies, die er später noch weiter verfolgte. Im Sommer 1837 habilitierte sich D. in Bonn für altklassische Litteratur und wurde 1846 Bibliothekar an der öffentlichen Bibliothek des kath. Gymnasiums in Köln. Von Dis philol. Arbeiten sind noch hervorzuheben: 4Homer und der epische Cyklus (Köln 1839), &De Zenodoti studiis Homericiso (Gött. 1848), (Kritik und Erklärung der Horazischen Gedichtey (5 Bde., Braunschw. 1840 —440, «Rettung der Aristotelischen Poetiko (Braunschw. 1840). Hieran schlossen sich: Die röm. Satirikers (Braunschw. 1846), «Die Homerischen Beiwörter des Götter- und Menschengeschlechtss (Gött. 1859), Aristarcho (Paderb. 1862), „Kirchhoff, Köchly und die Odyssee (Köln 1872), „(Homerische Abhandlungeno (Lpz. 1872), «Die Homerischen Nieertun (Hannov. 1874), « Verzeichnis der röm. Altertümer des Museums Wallraf-Richartz in Kölno Göln 1873), mit genauestem Abdruck der sämtlichen Inschriften. Eine Frucht langjähriger Forschungen ist ferner seine Schulausgabe des Homer (Paderb. 1863—66; zweite Aufl. 1873— 76) und des Horaz (Paderb. 1868—69). Dis litterarischer Ruf in weitern Kreisen gründet sich auf seine eingehenden, gründlichen Arbeiten über die Glanzepoche der deutschen Litteratur, besonders über Goethe, dessen Leben und Werke. Es gehören hierher: „Goethes Faust in seiner Einheit und Ganzheit » (Köln 1836), 4«Goethe als Dramatiker-Her 1837), sodann „Zu Goethes Jubelfeier» (El⸗ — 1849), 4Goethes Prometheus und Pandoras (Lpz. 1850), und 4Goethes Fausto (2 Bde., Lpz. 1850—51; 2. Aufl. 1857), «Goethes Tasso » (Lpz. 1854), «Goethes Götz und Egmont (Braunschw. 1854), „Die drei ältesten Bearbeitungen von Goethes Iphigenia » (Stuttg. 1854). Hieran schlossen sich als Studien zur Lebensgeschichte des Dichters: „Frauenbilder aus Goethes Jugendzeito (Lpz. 1852), «Freundesbilder aus Goethes Leben » (Lpz. 1853), «Schiller und Goethey (Stuttg. 1859), «Neue Goethe-Studieno (Nürnb. 1861), 4Goethe und Karl Augusto (2 Bde., Lpz. 1861—65), «Aus Goethes Freundeskreiser (Braunschw. 1868), Zwei Bekehrte. Zacharias Werner und Sophie von Schardt» (Lpz. 1873), «Charlotte von Stein. Ein Lebensbild (2 Bde., Stuttg. 1874), 4Charlotte von Stein und Corona Schröter. Eine Verteidigunge (Stuttg. 1876), «Christoph Kaufmann, der Apostel der Geniezeit und herrnhutische Arzty (Lpz. 1882). Für die weitesten Kreise bestimmt sind die «Erläuterungen zu den deutschen Klassikern» (Heft 1—81, Wenigenjena, später Lpz. 1855—82), die in wiederholt neu bearbeiteten Ausgaben erschienen. Eine zusammenfassende Darstellung von Goethes, Schillers und Lessings Leben gab er in drei selbständig erschienenen, mit authentischen Illustrationen ausgestatteten Bänden (Lpz. 1880 82), von denen das erstere schon in zweiter Auflage und einer engl. übersetzung von Th. Lyster erschienen ist. Bedeutenden Anteil nahm er an Hempels „Deutscher Nationalbibliotheko, und für Kürschners „Deutsche Nationallitteraturp hat er eine größere Anzahl von Goethes Werken übernommen. Auch die in der Deutschen Verlagsanstalt zu Stuttgart erscheinende illustrierte Ausgabe ausgewählter Schriften Goethes in fünf Bänden wird von ihm geleitet. Ferner veröffentlichte er noch wertvolle Mitteilungen aus der weimarischen Litteraturperiode, wie Briefwechsel zwischen Goethe und Staatsrat Schulhv(Lpz. 1853), Briefe von Schillers Gattin an einen vertrauten Freundo (Lpz. 1856), Aus Herders Nachlaßo (3 Bde., Lpz. 1856—57), Aus Knebels Briefwechsel mit seiner Schwester Henriettes (Jena 1858), „Zur deutschen Litteratur und Geschichte o (2 Bde., Nürnb. 1858), (Herders Reise nach Italieno (Gieß. 1859),Von und an Herder»(3 Bde., Lpz. 1861.—62), Briefwechsel zwischen Fr. Jacobs und Franz Göllero (Lpz. 1862), «Dido. Ein Trauerspiel von Frau von Steino (Frankf. 1867). Anonym erschien von D.: Adeline. Liebeslieder vom Rheines (Köln 1860).