Durchsichtigkeit (Diaphanität, Transparenz) heißt die Eigenschaft der Körper, dem Lichte den Durchgang zu gestatten. Sie findet bei verschiedenen Körpern in sehr verschiedenem Grade und in Gle wiabei Abstufung von großer D. oder Wasserhelle, wie bei nicht allzu langen Schichten reiner Luft, reinen Wassers, Diamant, Bergkrystall, Glas u. s. w., durch das Halbdurchsichtige und Durchscheinende bis zum Undurchsichtigen (Opaken) statt. Aus der Dichtigkeit und chem. Beschaffenheit eines Körpers läßt sich auf seine D. kein Schluß machen; dieselbe hängt nämlich von einer gewissen Gleichartigkeit der Masse ab, wie sie sich nur bei großen Krystallen, farblosem Glas, Wasser und manchen nern einer Masse stört die D. Mischungen von Wasser und Ol erscheinen milchig; wasserhaltende Krystalle werden undurchsichtig, wenn sie ihr Wasser an der Luft verlieren (verwittern); Glas wird trübe, wenn es in seiner Mischung oder in der Lagerungsweise seiner Teilchen (Moleküle) eine Anderung erfährt. Am vollkommensten durchsichtig sind immer farblose Körper, da gefärbte stets einen bestimmten Teil der Lichtstrahlen absorbieren. Aber selbst der durchsichtigste Körper läßt das Licht nicht ohne allen Verlust hindurch, gutpoliertes Spiegelglas z. B. nur ungefähr 80 Proz., während andererseits gewöhnlich für undurchsichtig gehaltene Stoffe, wie Metalle, in ganz dünnen Schichten durchsichtig sind. So z. B. kann man durch ein dünngeschlagenes, auf eine Glasscheibe gespanntes Goldblättchen die Sonne grün erblicken, ein Beweis, daß hier die grünen Strahlen des Sonnenlichts durchgelassen werden. Am meisten studiert wurde bisher die D. der Luft und des Wassers. Obwohl die reine Luft sehr durchsichtig ist, so büßt sie dennoch in langen Schichten infolge der unregelmäßigen Zurückwerfungen oder der Zerstreuung des Lichts an den Luftteilchen einen Teil ihrer D. ein. Und weil dabei auch eine Auslöschung (Verschluckung oder Absorption) der farbigen Strahlen bis auf die blauen, welche vorzugsweise zurückgeworfen (zerstreut) werden, stattfindet, so erscheint die Luft in sehr langen oder hohen Schichten bläulich bis blau, woraus sich auch die Himmelsbläue und die sog. Lichtperspektive erklärt. Letztere rührt von der geschwächten D. der Luft her, wobei die entfernten Gegenstände aus den eben angegebenen Ursachen wie in ein blaßblaues Gas (gewöhnlich Dufte genannt) getaucht erscheinen. Genügend hochgespannte Wasserdämpfe in der Luft +7 ihre D. nicht, wohl aber solche Dämpfe, welche ihrem Kondensationspunkte nahe sind, wie Nebel und Wolken; ferner erleidet die D. der Luft Einbuße durch beigemengte Staubteilchen aller Art u. dgl. m. Um die Größe der Lichtschwächung in der atmosphärischen Luft beurteilen zu können, dienen eigene Durchsichtigkeitsmesser oder Diaphanometer. Das einfachste Instrument dieser Art hat schon Saussure (s. d.) erfunden; es besteht im aur weichen aus zwei ungleichen weißen Scheiben, auf welchen zwei ungleich große schwarze Kreisflächen aufgetragen sind. Es können aber auch umgekehrt zwei verschieden große weiße Kreisflächen auf schwarzem Grunde 1˙ Vergleichung der D. der Luft dienen. Hätte z. B. die eine Kreisfläche einen 2⸗, 3⸗, 4. mal größern Durchmesser als die andere, so sollte jene, wenn nur die Kleinheit des Sehwinkels allein im Spiel wäre, erst in einer Entfernung vom Auge unsichtbar werden, welche 2, 3⸗, 4. mal so groß ist als der Abstand der kleinern Kreisfläche vom Beobachter, bei welchem letztere aufgehört hat, sichtbar zu sein. Derartige Versuche lehren, daß stets die Entfernung der größern Scheibe beim Aufhören ihrer Sichtbarkeit kleiner ist, als sie nach der oben erwähnten Proportionalität sein sollte. Dies kommt daher, weil jener Gegensatz von Schwarz und Weiß um so früher aufhört, wahrnehmbar zu sein, je mehr die Luft an D. verliert. Das Verhältnis der durch den Versuch ermittelten Entfernung zu jener berechneten, welche eine vollkommene D. voraussetzt, führt zur Bestimmung des Durchsichtigkeitskoeffizienten, d. h. jenes Bruchteils vom einfallenden Licht, welcher durch eine als Längeneinheit gewählte sehr dicke (3. B. 300 m) Luftschicht gegangen ist. Ist z. B. der D.⸗Koeffizient 0,7, so heißt dies, daß 053 der einfallenden Lichtmenge durch Absorptionen und Zerstreuung des Lichts für die D. verloren gegangen sind. Derartige Messungen haben gelehrt, daß im allgemeinen die D. der Luft in den Aquatorialregionen größer ist als gegen die Pole hin. Auch die D. des Wassers verliert aus bet lichen Gründen wie bei der Luft, wenn die Dicke seiner Schichten zunimmt. Nach Bunsen läßt reines Wasser die blauen Strahlen etwas stärker durch als die übrigen, weshalb es in heht dicken Schichten blau erscheint. Nach ittstein geht dieses Blau in Grün über, wenn organische Beimischungen in genügender Menge vorhanden sind. Nach St.⸗Claire Deville erscheinen die Wässer blau oder grün, je nachdem ihre Verdampfungsrückstände weiß ober gelb bis bräunlich sind. Lochmaschine d.).