Düsseldorf, Hauptstadt des gleichnamigen Regierungsbezirks der preuß. Rheinprovinz, sowie des ehemaligen Herzogtums Berg, in einer herrlichen Thalebene auf dem rechten Rheinufer gelegen, ist der Sitz der Regierung, eines Land⸗ und eines Amtsgerichts, des Stabes der 14. Division und der 27. Infanteriebrigade, und zählt (1880) mit dem Beichbilde 95458 E., darunter 70544 Katholiken, 3632 Cvangelische, 1008 Juden und 274 Dissidenen, Mennoniten u. s. w. Die Stadt, nach dem hier n den Rhein mündenden Düsselbach benannt, zerällt in die Altstadt, Karlsstadt, Neustadt und die m Süden neu angebaute Friedrichsstadt. Die Neutadt wurde 1690—1716 vom Kurfürsten Johann Bilhelm von der Pfalz angelegt, die Karlsstadt 787 vom Kurfürsten Karl Theodor; beide Stadteile bestehen aus regelmäßigen Vierecken. In den etzten Fahrzehnten hat sich D. durch neue Anbaue nach Süden, Osten und Norden hin sehr erweitert, sodaß die frühern Dörfer Pempelfort, Bilk, Derendorf jetzt mit der Stadt zusammenhängen und seit 1851 auch fast ganz zu derselben gezogen worden ind: in neuerer Zeit wurden auch Pferdebahnen, Wasserleitung und die Kanalisation der Stadt angelegt. Zu den Sehenswürdigkeiten D.s gehören die Hauptpfarrkirche mit den Grabmälern der alten Herzöge von Jülich und Berg, unter welchen sich das marmorne Mausoleum des Herzogs Wilhelm auszeichnet; die prachtvolle, aber etwas überladene Andreaskirche, früher den Jesuiten gehörig; die 1875—81 im ital. Rundbogenstil erbaute evang. Johanniskirche; das neue im ital. Renaissancestil erbaute Provinzialständehaus, nach einem Entwurf des Baurats Raschdorf in Berlin; die bronzene Reiterstatue des Kurfürsten Johann Wilhelm von der Pfalz, welchem D. sein Emporkommen verdankt, auf dem Markte; eine zweite marmorne Statue desselben Kurfürsten in der Mitte des Schloßhofs; das 24. Juni 1879 enthüllte Cornelius-Denkmal, ausgeführt von Professor Donndorf in Stuttgart; das Schadow-Denkmal, modelliert von Professor Wittig; das Antikenkabinett und die schöne Kupferstichsammlung. Das alte Schloß, welches beim franz. Bombardement von 1795 zur Ruine wurde und dessen linker Flügel 1872 gänzlich abbrannte, ist niedergelegt, und es befindet sich an dessen Stelle die Kunstgewerbeschule und das Historische Museum. Die Malerakademie wurde 1767 von Karl Theodor gestiftet, von Friedrich Wilhelm III. 1822 erneuert und blühte namentlich unter Cornelius' (1822—26) und Schadows Leitung auf. Nach dem Rücktritt des letzten Direktors Bendemann (1859—64) wurde die Akademie durch ein Kuratorium verwaltet und 1873 der Maler Herm. Wislicenus zum Direktor derselben ernannt. Ein neues großartiges Akademiegebäude, erbaut von demArchitekten Riffart, ist 1879 vollendet. Die 1690 in D. gestiftete Gemäldegalerie, die reichste an Werken von Rubens (das Jüngste Gericht) und andern großen Meistern der Niederländischen und Flamändischen Schule, wurde 1805 nach München gebracht. Nur die kostbare Sammlung von etwa 14500 Originalhandzeichnungen und 24000 Kupferstichen und Gipsabdrücken ist zum Gebrauche der dasigen Kunstakademie noch vorhanden, und es ward dieselbe von der rhein. Ritterschaft 1841 durch Ankauf einer Sammlung von Agquarellzeichnungen nach den besten ital. Meistern vermehrt. Die neubegründete D3 Duß Bildergalerie enthält gute Gemälde aus der Düsseldorfer Schule (Lessing, Achenbach, Knaus, Schirmer, Baur, Hübner, Schrödter, Tiedemand, Vautier u. a.). Dieselbe ist in der nach einem Plane des Professors Giese erbauten, seit 1881 vollendeten Kunsthalle untergebracht. Auch die Schultesche Gemäldegalerie enthält sehr wertvolle Bilder der Düsseldorfer Schule. Außer der Malerakademie bestehen zu D. von höhern Unterrichtsanstalten noch eine Kunstgewerbeschule, ein Gymnasium, ein Realgymnasium und eine her it Bürgerschule. Die wertvolle Landesbibliothek ist 50000 Bände stark. Die vielen Wohlthätigkeitsanstalten wurden 1865 durch ein evang. und ein kath. Krankenhaus vermehrt. Unter den Vereinen entfaltet der 1828 begründete Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen eine große Thätigkeit. D. hat eine städtische Tonhalle und ein 1875 vollendetes Theater und ist Geburtsort von P. von Cornelius, Heine, Fr. Heinr. Jacobi. Die Industrie D.s, besonders die Eisenindustrie, ist sehr EuEaum Bedeutend sind außerdem die Tapeten⸗, Chemikalien⸗ und viele andere Fabriken. Buch⸗ und Kunsthandlungen, typographische und artistische Etablissements sind zahlreich. In der Umic der blüht der Gemüsebau; berühmt ist namentich der düsseldorfer Senf. wichtig sind der Speditions⸗ und Zwischenhandel, besonders aber die Rheinschiffahrt. D.s Hafen, seit 1829 ein Frei⸗ +. ist einer der besuchtesten am Strome. Handel und Industrie zeigen eine stetige Fortentwickelung. Der wasserreiche Düsselbach, die offene Lage der Stadt, die Kreuzung der verschiedenen Eisenbahnen (Köln-Mindener, Bergisch-Märkische und Rheinische Eisenbahn) und der Rhein begünstigen die Anlage industrieller Etablissements. Zu manchen wichtigen Verbesserungen im Gebiete des Handels und der Industrie hat der 1859 ins Leben gerufene Handels⸗ und Gewerbeverein für die Rheinlande und Westfalenv, dessen Mittelpunkt D. ist, Veranlassung gegeben. Zu der Handelskammer ist 1861 auch ein eigenes Handelsgericht hinzugekommen. Eine stehende Rheinbrücke hat die Bergisch-Märkische Eisenbahn etwas oberhalb D., bei dem Dorfe Hamm, erbaut; eine zweite beabsichtigt die Rheinische Eisenbahngesellschaft unterhalb der Stadt zu erbauen. Die mit der kölnischen Gesellschaft vereinigte Dampfschiffahrtsgesellschaft zu D. befährt gegenwärtig mit 15 Schiffen täglich den Rhein, aufwärts bis Mannheim, abwärts bis Rotterdam, und die übrigen Rhein-Dampfschiffahrtsgesellschaften haben daselbst ihre Agenturen. Dem heitern Charakter der Stadt entspricht das gesellige Leben und Treiben der Bewohner. Bekannt sind die Festlichkeiten und Maskenaufzüge, welche der Künstlerverein Malkasteno (begründet 1848) alljährlich veranstaltet. Dem öffentlichen Vergnügen dienen die Tonhalle mit großem Garten, der Ananasberg im Hofgarten, sowie der 1876 hergestellte Zoologische Garten, der Floragarten im südl. Stadtteile, sowie zahlreiche Vergnügungslokale. Nahe bei D. liegt Düsselthal, eine 1819 vom Grafen von der Recke-Volmarstein gegründete Rettungsanstalt für verwahrloste Kinder. Eine histor. Berühmtheit hat der Jacobische Garteno, so benannt nach dem Philosophen Friedr. Jacobi, dessen Gastfreundschaft dort vielen )berühmten Männern (Goethe, Wieland und Herder) einen angenehmen Aufenthalt gewährte. Derselbe wurde 1860 für die Künstlergesellschaft Malkasten) angekauft. Auf der Fahnenburg, dem Wohnsitz des berühmten Genealogen A. Fahne, befindet sich eine 1(bedeutende Gemäldegalerie älterer Meister. Zu Bilkt befindet sich eine Sternwarte und in Pempelfort das Schloß Jägerhof, die ehemalige Residenz des Prinzen Friedrich von Preußen und später des Fürsten Karl Anton von Hohenzollern-Sigmaringen. Vgl. Hofacker, Führer durch D. und Umgebungo]! D. wurde 1288 zur Stadt erhoben und war später die Residenz des Landesfürsten, der Aufenthaltsort des jülich⸗ 1 Adels, der Sitz der Künste und infolge dieser Umstände ein vielbesuchter Ver-1 gnügungsort für Fremde. Nachdem die Herzöge von Jülich, Kleve und Berg ausgestorben, kam D. an die Woes Rursu von Neuburg und war dann Residenz des Kurfürsten Johann Wilhelm von der l Pfalz, bis Heidelberg wieder aufgebaut wurde. Von den Ssterreichern 1795 durch Kapitulation an die Franzosen übergeben, blieb D. bei Frankreich, bis es im Lunéviller Frieden 1801 an Bayern zuruckgegeben wurde. Hierauf kam es 1806 zum Großherzogtum Berg, dessen Hauptstadt es war, und 1815 mit demselben an Preußen. ö ö Der Regierungsbezirk Düsseldorf, der volkreichste des preuß. Staats, umfaßt 5466,90 alem, zählt (1880) 1591 369 E. (291 auf 1 akm), worunter 642125 Evangelische, 930 643 Katholiken und 13211 Juden; er zerfällt in die 6 Stadtkreise Krefeld, Duisburg, Essen, D., Elberfeld und Barmen und die 15 Landkreise Kleve, Rees, Krefeld, Mülheim, Essen, Mörs, Geldern, Kempen, D., Mettmann, Lennep, Solingen, Neuß, Grevenbroich und Gladbach. — Der Stadtkreis Düsseldorf ist 49 qkm groß, der Landkreis Düsseldorf zählt auf 362 qkm (1880) 52994 C.