FeedEastlake 0 pr. Ihstlehk
Bildende KunstBrockhaus 1882

Eastlake 0 pr. Ihstlehk, Sir Charles Lock), ausgezeichneter engl. Künstler, geb. zu Plymouth 17. Nov. 1793, bildete sich in London und Paris zum Maler aus und setzte dann seit 1817 seine Studien in Venedig und Rom fort, sich vorzüglich Tizian zum Muster nehmend, dessen Weise er sehr glücklich sich aneignete, ohne die eigene Originalität einzubüßen. Dennoch mußte er bei seinem spätern Auftreten im Vaterlande dem Geschmacke seiner Landsleute anfangs Konzessionen machen, ehe er sich eines ungeteilten Beifalls erfreuen konnte. Man war mit seiner Färbung nicht einverstanden, die allerdings die Lebenskräftigkeit der Tizianschen nicht erreicht. Dann behagten histor. Vorwürfe nicht, wie z. B. der Spartaner Isadas, der sich nackt aus dem Bade in die Schlacht stürzt. So mußte sich E. mehr dem in England beliebten Genrefache zuvenden. Er that es mit großem Erfolge durch eine Reihe von Banditenscenen, welche 1824 entstanden, und denen sich Darstellungen aus dem südl. Winzerleben anschlossen. Eine Reise durch Griechenland lieferte ihm eine reiche Ausbeute zu neugriech. Volksscenen. Hierher gehört das schöne Bildnis einer Griechin in Nationaltracht; ferner die griech. Flüchtlinge (ausgestellt 1833). Andere Arbeiten aus dieser Periode sind: die Hölle der Verzweiflung, eine Allegorie nach Spenser; eine von Räubern angefallene Bauernfamilie; eine andere in der Tracht von Cari u. s. w. Diese Bilder zeigen eine feine Durchführung und eine klare und tiefe Farbengebung. Er wurde 1841 nach München gesandt, um zu untersuchen, ob die dort blühende Freskomalerei auch für die neuerbauten engl. Parlamentshäuser anzuwenden sei, und ob deutsche Maler für diesen Zweck zu berufen wären. Er sprach sich für die Anwen⸗ . aus und begann dann selbst mit sieben andern Malern die ihm übertragene Ausschmückung der Gebäude. Dabei fuhr er fort, die Ausstellungen zu beschicen. So sah man von ihm noch die Pilger, welche die heilige Stadt erblicken, eine Heloise, in der Behandlung ganz an die alten Venetianer erinnernd. Später ließen jedoch seine amtlichen Beschäftigungen als Präsident der Kunstakademie (seit 1851) und Direktor der Nationalgalerie (seit 1855) ihm wenig Muße zu selbständigen Arbeiten. Als Schriftsteller trat E. zuerst mit einer Übersetzung der Goetheschen «Farbenlehrer (Lond. 1840) auf. Die zweite Auflage des von seiner Frau übersetzten Kuglerschen Handbuchs der Malereis begleitete er (1851) mit zahlreichen Anmerkungen und gab auch „Materials for a history of oil paintingo (Lond. 1847; Bd. 2, 1869), eine der wichtigsten histortechnischen Untersuchungen, heraus. Kleinere Schriften von ihm wurden gesammelt unter dem Titel „Contributions to the literature of the fine artsy (Lond. 1848; neue Aufl., 2 Bde., 1870). E. starb während eines Aufenthalts in Italien zu Pisa 23. Dez. w1865. Eine Biographie von E. veröffentlichte seine Gattin (Lond. 1870). Seine Gattin, Elisabeth E., eine Tochter des Arztes Rigby in Norwich, hat sich durch ihre «Letters from the shores ofe the Baltico (Lond. 1841; deutsch, Lpz. 1846) bekannt gemacht, worin sie in anziehender Weise ihren Aufenthalt bei einer in Estland verheirateten Schwester schildert, und denen sie Livonian taleso (Lond. 1846) folgen ließ. Im J. 1849 vermählte sie sich mit E., dem sie dann in seinen wissenschaftlichen und künstlerischen Bestrebungen treu zur Seite stand. Von ihren eigenen Werken ist die von Mrs. Jameson begonnene History of Our Lord, as exemplified in works of art o (2 Bde., Lond. 1864) das bedeutendste.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 695Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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