FeedEdelsheim (Ludw., Freiherr von)
GeschichteBrockhaus 1882

Edelsheim (Ludw., Freiherr von), ehemaliger bad. Minister des Auswärtigen, geb. 24. Okt. 1823 zu Karlsruhe, studierte in Heidelberg und in Berlin Rechts⸗ und Staatswissenschaften, machte größere Reisen und wurde 1855 von der hanauischen Ritterschaft, deren Mitglied er als Mitbesitzer des Ritterguts Wachenbuchen war, in die kurhess. Erste Kammer gewählt. In dieser Stellung nahm er auf der Seite der verfassungstreuen Partei an den durch die reaktionäre Regierung des Kurfürsten hervorgerufenen Verfassungskämpfen teil. Im J. 1861 von dem Präsidenten des bad. Ministeriums der auswärtigen Angelegenheiten, von Roggenbach, nach Baden zurückberufen, wurde E. bad. Ministerresident in Wien, 1863 außerord. Gesandter daselbst, 1864 zugleich in Dresden. Im Nov. 1863, beim Auftreten der schlesw.⸗holstein. Frage, erhielt er den Auftrag, sich zum Herzog Friedrich von Augustenburg, welchen Baden bereits als rechtmäpigen Herzog von Schleswig⸗-Holstein anerkannt hatte, nach Gotha zu begeben und ihm Rat und Hilfe seitens der bad. Regierung anzubieten. E. begleitete den Herzog auf dessen Reise nach Kiel 29. Dez. bis Hamburg und kehrte von da nach Karlsruhe zurück. Am 19. Jan. 1864 reiste er im Auftrag der Regierung nach München und Dresden, um für ein selbständiges Auftreten der Mittel- und Kleinstaaten und für die Einberufung eines Parlaments ad hoc zu wirken. Nach dem Rücktritt von Roggenbachs wurde ihm 19. Okt. 1865 unter dem Titel eines Staatsministers das Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten übertragen. E. reiste sofort nach Dresden und Wien, um mit den dortigen Ministern sich zu verständigen, und konferierte auf der Rückreise in München und Stuttgart mit den Ministern von der Pfordten und Varnbüler. Bei seiner Rückkehr nach Karlsruhe 23. Dez. übernahm er thatsächlich das Ministerium. In seinem Programm, das er dem Großherzog vorlegte, sprach er sich für den liberalen Ausbau der ganzen Gesetzgebung, für die Unterstützung Osterreichs gegen die preuß. „Vergrößerungspolitiko und für ein Zusammengehen der Staaten der dritten Gruppe auf nationaler Grundlage aus. Im Schoße des Ministeriums war Mathy sein einziger Gegner; Stabel und Lamey kamen E. sehr nahe. Vor Ausbruch des Deutschen Kriegs von 1866 wohnte E. den mittelstaatlichen Konferenzen in Augsburg 22. April und in Bamberg 13. und 14. Mai 1866 bei und beantragte, gegenüber dem bayr. Antrag H Rüstung, die bewaffnete Neutralität der Mittelstaaten, unterzeichnete aber nachher den von der Konferenz angenommenen bayr. Antrag. Der außerordentliche Kredit für die Vorbereitung zur Mobilmachung wurde 28. Mai von E. mit der Notwendigkeit eines Zusammengehens der süddeutschen Mittelstaaten zum Zweck einer gemeinsamen deutschen Politik begründet und von beiden Kammern genehmigt, jedoch nicht ohne daß die Politik der Neutralität als die für Baden allein richtige bezeichnet wurde. Nach dem Ausbruch des Kriegs drang E. auf Purifikation des Ministeriums im preußenfeindlichen Sinne. Die Ministerialräte Jolly und von Freydorf wurden ihrer Stellung enthoben, Minister Mathy zur Einreichung seines Entlassungsgesuchs genötigt. Die preuß. Siege führten jedoch E.s eigenen Sturz herbei. Am 5. Juli beriet sich E. in Frankfurt, 20. und 21. Juli in München mit seinen Kollegen aus Darmstadt, Stuttgart und München. Bei seiner Rückkehr nach Karlsruhe fand er eine von 39 Abgeordneten unterschriebene Adresse vor, in welcher die Aufstellung einer Mainlinie als ein schweres nationales Unglück bezeichnet und der Eintritt Badens in den zu errichtenden neuen Bundesstaat verlangt wurde. Infolge dieses Umschwungs gab E. 24. Juli seine Entlassung und zog sich nach Konstanz zurück. Er starb 23. Febr. 1872.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 739Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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