Egill Skallagrimsson, ein namhafter isländ. Dichter des 10. Jahrh., dessen Leben die Egils saga Skallagrimssonar (kürzer Eigla) beschreibt. Nach ihr war der einem vornehmen Hause Norwegens entsprossene Vater des Dichters wegen eines Zerwürfnisses mit König Harald härfagri nach Island ausgewandert, wo er zu Borg am Borgarfjördr sich niederließ (um 878), und hier wurde E. geboren (um 904). In seltenem Maße frühreif, dichtet er schon mit drei Jahren seinen ersten Vers und begeht bereits im siebenten seinen ersten Totarcz Um 924 besucht er zugleich mit seinem ältern Bruder Thörolf zum ersten mal Norwegen, wo er sich mit dem jungen Arinbjörn Thörisson befreundet, aber auch mit König Haralds Sohn, Cirik blödöx und dessen Frau Gunnhild in Zerwürfnisse gerät; beides den M die für sein späteres Leben bestimmend werden. Nach mehrfachen Heerfahrten in Kurland, Dänemark, Friesland nehmen die Brüder in England bei König Wdelstän Dienst; Thorölf fällt in einer Schlacht, und E. erhält von dem König als Sühngeld für ihn zwei Kisten mit Silber, die er aber, nach Island heimkehrend (929), aus Geiz für sich behält, statt sie nach des Königs Willen seinem Vater zu überbringen. Nachdem er seines Bruders Witwe, Asgerd, geheiratet hatte, fährt E. nochmals nach Norwegen hinüber (933), um deren väterliche Erbschaft einzutreiben. Wiederum gibt es Streit mit König Eirik und der Königin Gunn-Auie E. wird geächtet, entkommt jedoch mit Hilfe rinbjörns und gelangt glücklich nach Island heim, nachdem er einen Sohn des Königs getötet und diesen selbst schwer beschimpft hatte. Nachdem er seinen Vater beerbt hat (934), geht E. zum dritten mal außer Landes (936—937). Er strandet an der Küste von Northumberland, welche Provinz der inzwischen aus Norwegen vertriebene Eirik blodöx von König Wdelstän zu Lehn erhalten hatte; an der Möglichkeit des Entrinnens verzweifelnd, sucht er diesen auf, und teils auf Arinbjörns Fürbitte, teils zum Lohn für ein Ehrenlied, welches er über Nacht auf Eirik dichtet, schenkt ihm dieser das Leben. „Höfudlausno, d. h. Lebenslösung, ist das Lied darum genannt. Nach einem Besuche bei König Wdelstän, dann in Norwegen, wo er nach mancherlei Abenteuern durch einen siegreichen Zweikampf endlich das väterliche Erbe seiner Frau gewinnt, kommt der Dichter glücklich nach Island zurück (938). Aber noch ein viertes mal verläßt er das Land (um 943), um Arinbjörn zu besuchen, der nach Eiriks Fall nach Norwegen zurückgegangen war; nach mehrfachen mit ihm unternommenen Heerzügen gegen Sachsen und Friesen, dann nach einer in König Hakons des Guten Interesse gethanen Reise nach Vermeland tehrt er (945) nach Island heim, welches er fortan nicht mehr verläßt. Der Tod eines mas welcher im Borgarfjördr ertrank, gab ihm die Veranlassung, ein Lied zu dichten, welches Sonartorreko, d. i. des Sohnes Verlust, heißt, und ein anderes, die Krinbjarnardräpas, verfertigte er auf seinen lieben Freund Arinbjörn. In seinem höhern Alter (um 980) übergab er den Hof —* Borg seinem Sohne Thorstein und 100 nach Mosfell zu Grim Svertingsson, dem Manne seiner Nichte und Stieftochter Thördis, wo er, völlig erblindet, noch etwa ein Jahrzehnt lebte. Die zwei Kisten Silber, welche er von König Wdelstän erhalten hatte, wollte er kurz vor seinem Tode am Allding auswerfen, um einen allgemeinen Kampf in der Landesgemeinde zu veranlassen, und da sein Schwiegersohn ihm dieses verwehrte, verbarg er sie und tötete die Sklaven, die ihm dabei geholfen hatten, damit niemand nach seinem Tode von dem Gelde Nutzen ziehe. So der Bericht der Eigla, welche auch, neben einer Fülle einzelner angeblich von E. gedichteter Strophen, die oben genannten drei größern Lieder desselben vollständig oder doch nahezu vollständig mitteilt. Die Glaubwürdigkeit dieser Sage ist freilich von dem dän. Geschichtsforscher E. Jessen neuerdings mit guten Gründen angefochten worden (in von Sybels «Histor. Zeitschrifte, 14. Jahrg., Heft 3, 1872), auch die Unechtheit einzelner von ihr dem E. beigelegten Strophen läßt sich nicht verkennen. Indessen gehört dieselbe immerhin dem 13. Jahrh. an; E. wird in Quellen aus derselben Zeit und darunter so unverdächtigen wie die Landnäma, (Sturlüngas, Islendingadräpas des Hauk Valdisarson u. dgl. m. als eine bekannte Persönlichkeit genannt, und in der Jüngern Edda werden Stücke seiner drei Hauptlieder sowohl als weitere Strophen desselben auf seinen Namen Bedeunt An der Existenz des Mannes und seiner Bedeutung als Dichter wird hiernach nicht gezweifelt werden können. Vgl. über die ihm zugeschriebenen Dichtwerke zumal Jön Siurdsson im 3. Bande der Arnamagneanischen Ausgabe der Edda Snorra Sturlusonare (1880).