Egle (Joseph von), Architekt, geb. 1818 zu Dellmensingen in Württemberg, besuchte die Gewerbeschule (Jetzt Polytechnikum) in Stuttgart, studierte 1837—39 am tram und. in Wien und 1839 —41 unter H. Strack und C. Bötticher an der königl. Akademie der Künste in Berlin. 1842 ging er auf Einladung Ludwig von Försters wieder nach Wien, wo er zunächst für dessen Bauten zeichnete, dann aber in Försters Auftrag vom Herbst 1842 bis Frühjahr 1847 als Korrespondent der «Allgemeinen Bauzeitungo Norddeutschland und England bereiste. Von London ging CE. 1847 nach Paris und von da über Stuttgart und München nach Italien. Im J. 1848 wurde er zum Vorstand der stuttgarter Baugewerkschule und 1850 zugleich zum ord. Professor des dortigen königl. Polytechnikums ernannt. In letzterer Eigenschaft stellte er 1851 erstmals eine Theorie für das Schattieren mathematisch bestimmter Körperflächen auf, die er bei seinem Unterricht im Polytechnikum sofort mit großem Erfolg anwendete und 1855 in der Festschrift des stuttgarter Polytechnikums auch weitern Kreisen bekannt gab. Im J. 1857 wurde ihm das Amt eines ersten Architekten des Königs von Württemberg übertragen, welches er seitdem als sein Hauptamt bekleidet. Zugleich wurde ihm gestattet, daneben die Vorstandschaft der königl. Baugewerkschule beizubehalten, und diese Anstalt hat sich seither zu einer Blüte erhoben, welche bisjetzt von keiner gleichartigen Anstalt übertroffen worden ist. E.s selbständige Bauthätigkeit begann 1850 und er hat im ersten Dezennium derselben viele bürgerliche Wohnhäus er und Villen, Schulen und kleine Kirchen ausgeführt. Dabei hat er sich grundsätzlich nie des damals in Stuttgart gebräuchlich gewesenen Fachwerkbaues, sondern immer des unverblendeten Massivbaues bedient und hierdurch wesentlich dazu beigetragen, daß der Massiobau endlich auch in Stuttgart heimisch geworden ist. Im J. 1860 wurde sein Plan für das neue Polytechnikum in Stuttgart vier andern Plänen vorgezogen und ihm Dem V der Auftrag zu dessen Ausführung erteilt. Dem Polytechnikum, dessen Cinweihung 1864 stattfand, wurde 1874 von einem andern Architekten noch ein Flügel hinzugefügt. Seit 1864 führte er den innern Ausbau des Residenzschlosses in Stuttgart durch; im ganzen hat er dort ungefähr 40 rei1 dekorierte Haupträume ganz neu hergestellt. on 1867 bis 1870 baute er das neue Haus für die Baugewerkschule und von 1872 bis 1879 die frühgot. Marienkirche in Stuttgart. Die Pläne zu letzterer ++ 1876 in der damaligen Kunstausstellung zu ünchen einen von den fünf ersten Preisen feit Architektur erhalten. — führte E. die seit 1878 vollendete frühgot. kath. Konvikts: und Pfarrkirche in Tübingen aus. Von seinen Kirchenrestaurationen sind zu nennen: diejenige der spätgot. Frauenkirche in Eßlingen, der Stadtkirche in Weil der Stadt und des bischöflichen Domchors in Rottenburg; jene im Anfang, diese zu Ende der Wihditer Jahre. Seit 1855 ist C. Beirat bei der Rünsterrestauration in Ulm, und seit 1870 steht dieses große Werk unter der Leitung von Baumeistern, die ausschließlich von ihm geschult worden sind. An litterarischen Arbeiten hat E. außer den bereits genannten noch weiter geschaffen: ein größeres Kupferwerk über das ulmer Chorgestühl und Monographien über die Stiftskirche zu Wimpfen im Thal und über das Kloster Hirsau. In weitern Fachkreisen ist E. durch seine Beteiligung bei Schaffung der deutschen Norm zur dau,howie des Honorars für architektonische Arbeiten, sowie durch seine Mitwirkung bei Gründung des Verbandes deutscher Architekten⸗ und Ingenieurvereiner bekannt.