FeedEberhard I.
GeschichteBrockhaus 1882

Eberhard I., der Erlauchte, Graf von Württemberg, Sohn des 1265 verstorbenen Grafen Ulrich des Stifters, war um jene Zeit noch ein Kind, regierte später bis zum J. 1279 gemeinschaftlich mit seinem Bruder, Graf Ulrich II., und nach dessen Tode, bis 1325, allein. Da König Rudolf die Herausgabe aller während des Interregnums in Besitz genommenen aunsaobenn verlangte, und E. seine Beute nicht herausgeben wollte, wurde dieser, der mit einigen schwäb. Herren ein Bündnis geschlossen hatte, von Rudolf bekriegt und besiegt und mußte in dem Frieden von 1286 seine Eroberungen wieder herausgeben. Als E. aufs neue sich empörte, wurde er von Rudolf wieder eschlagen und mußte 1287 den Frieden von Eßingen unterzeichnen. In dem Streit zwischen den Gegenkönigen Adolf von Nassau und Albrecht von Osterreich trat er auf des letztern Seite und focht mit ihm bei Göllheim gegen König Adolf. Gegen König Albrecht JI., der ihm die Landgrafschaft Niederschwaben übertrug, zog E. zweimal ins Feld, ohne Niederlagen oder sonstige Verluste zu erleiden. Bei der neuen Königswahl 1308 wurde auch E.s Name genannt. Von dem neugewählten König Heinrich VII. von Luxemburg wegen Bedrückung der niederschwäb. Reichsstädte 1309 zur Verantwortung auf den Reichstag zu Speier geladen und dort hart angelassen, kehrte E. trotzig und ohne Abschied nach Hause zurück. Darauf wurde die Reichsacht über ihn ausgesprochen und der neue Landvogt von Niederschwaben, Konrad von Weinsberg, vom Kaiser, der nach Italien zog, mit der Ausführung der Reichsacht beauftragt. Dieser eroberte mit Hilfe vieler schwäb. Reichsstädte und Herren die ganze Grafschaft, mit Ausnahme von vier Burgen, erstürmte und zerstörte die Stammburg Württemberg und nötigte E. zur Flucht. Nach dem Tode des Kaisers 1313 verband sich E. mit einigen Herren und eroberte rasch wieder sein ganzes Land, außer Stuttgart, Waiblingen und Markgröningen, welche Städte er erst 1315 und 1316 von Friedrich dem Schönen und der Reichsstadt Eßlingen zurückerhielt. In dem Thronstreit zwischen Friedrich dem Schönen von Ssterreich und Ludwig von Oberbayern stand E. zuerst der Seite des erstern, ging aber nach dessen Niederlage bei Mühldorf zu Ludwig über, der ihm die Landvogtei in Niederschwaben und Oberfranken übertrug. Die Zerstörung der Burg Württemberg und des Stifts Beutelsbach war für E. der Anlaß, daß er seine Residenz, welche er bisher auf der Burg gehabt hatte, und die in Beutelsbach befindliche Grabstätte seiner Ahnen 1320 und 1321 an einen gesichertern Ort, nach Stuttgart, verlegte, welche Stadt ebendamit die Haupt- und Residenzstadt des Landes wurde. E. starb 5. Juni 1325. Er hinterließ die Grafschaft Württemberg fast um die Hälfte vergrößert.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 705Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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