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PflanzenreichBrockhaus 1882

Eiche (Quercus) ist der Name einer Laubholzgattung aus der 21. Klasse des Linneschen Systems und der Familie der Fruchtbecherträger (Cupulilerae). Ihre sehr zahlreichen Arten, teils Bäume, teils Sträucher, sind namentlich in der gemäßigten Zone der nördl. Hemisphäre, insbesondere in den Vereinigten Staaten Nordamerikas verbreitet; auch ist die Zahl derjenigen, welche in den am Mittelmeere liegenden Ländern, vorzüglich im Orient und in Spanien, vorkommen, sehr bedeutend. Dagegen besitzt Deutschland nur drei oder vier Arten, von denen zwei allgemein verbreitet und zugleich die wichtigsten aller Eichenarten bezüglich der Brauchbarkeit und Dauerhaftigkeit des Holzes sind. Alle E. bringen ihre Blüten mit dem Laubausbruch hervor. Die männlichen, welche ein meist gelbgrün gefärbtes, fünf-bis siebenteiliges Perigon und ebenso viele langgestielte Staubgefäße besitzen, sind in schlaff herabhängende, sehr lockere Kächen geordnet, welche aus den obersten Seitenknospen vorjähriger Triebe entspringen, während die weiblichen Blüten einzeln oder *— elt, an einem bald sehr kurzen, bald langen Stiele in den Blattwinkeln der jungen, im Mai oder Juni sich entwickelnden Triebe und daher höher stehen als die männlichen Kätzchen. 81 weibliche Blüte ist von einer mehrreihigen ülle kleiner Deckschuppen umgeben, durch deren nach der Blütezeit erfolgende Vergrößerung, gegenseitige Verwachsung und Verholzung das die Eichelfrucht vom Grunde her umschließende, becherförmige Organ, das Fruchtschälchen oder der becher (cupula), entsteht. Innerhalb dieser Schuppenhülle befindet sich ein einziger Stempel en Fruchtknoten von einem ihm eng anliegenden Perigon umschlossen ist. Auf dem Fruchtknoten erhebt sich ein kurzer Griffel mit sechs Narben. Obwohl der Fruchtknoten sechs Eier enthält, entwickelt sich aus demselben peb fast immer nur eine einsamige Frucht, die Eichel, welche, wie auch der Fruchtbecher, unter 10 verschiedenen Formen auftritt, weshalb die Eichenarten vorzugsweise nach den Früchten unterschieden werden. Hinsichtlich der Blätter, welche bei den meisten Arten fiederspaltig oder buchtig gelappt sind, doch auch bei vielen von unzerteilter und ganzrandiger Form vorkommen, zerfallen die C. in sommergrüne Arten (solche mit im Frühling ½½1. und im Herbst abfallenden Blättern) und in immergrüne Arten (solche mit mehrere Jahre lang am Baume und lebensthätig bleibenden, sehr bald lederartigen Blättern). Letztere finden sich vorzugsweise in den Mittelmeerländern. Nach den Früchten kann man die E. in solche mit ein⸗ und in solche mit zweijähriger Samenreife einteilen. Erstere reifen ihre Früchte schon im ersten Herbst nach der Blütezeit, letztere erst im zweiten Herbst. Zu diesen gehört die Mehrzahl der nordamerikanischen E. Unter den deutschen E. hat nur die Zerr-oder österreichische E. (Qu. Cerris L.), auch burgundische E. genannt, eine zweijährige Samenreife. Diese Art, ausgezeichnet durch spitzlappige Blätter, fadenförmige Nebenblätter und Knospenschuppen und durch die aus fadenförmigen, sperrig voneinander stehenden Schuppen gebildete Cupula, ist ein Baum von 16—26 m Höhe, welcher in Riederösterreich, Ungarn, den untern Donauländern, in Südeuropa und Frankreich wächst und namentlich in erstern Waldungen bildet. Die beiden wichtigsten deutschen Arten sind die Stieleiche (Au. pedunculata Ehrl.) und die Traubeneiche (Qu. sessiliflora &n., robur Mill., Pilld., 5. L.). Beide sind sich sehr ähnlich, unterscheiden 5 dadurch 4 daß bei der emt wehr die weiblichen Blüten und Früchte an einem mehr oder weniger langen Stiele stehen und die Blätter kurz gestielt sind, während bei der Traubeneiche die weiblichen Blüten und Früchte einzeln oder traubig gehäuft in den Blattachseln sitzen, die Blätter aber einen ziemlich langen Stil haben. Die diesem Artikel gehörige Abbildung auf Tafel: Laubhölzer und Waldbäume, II zeigt Fig. 1 eine frei erwachsene, alte Stieleiche; 10 2 ist ein blühender Trieb der Traubeneiche, mit den lang Roheriten Matrwn männlichen Blütenkätzchen, in den obersten Blattwinkeln mit den kleinen sitenden weiblichen Blüten; Fig. 3 Triebspitze der Traubeneiche mit ausgebildeten Blättern und Früchten; Fo. 4Triebspitze der Stieleiche im Winterzustand; sig. 5 weibliche Blüte der Stieleiche; Fig. 6 deren Längsdurchschnitt; Fig. 7 Stück eines männlichen [t Blütenkätzchens der Stieleiche; Fig. 8 dazugehöriger Staubbeutel und Fig. 9 dessen Querdurchschnitt. Die Stiel⸗, auch Sommereiche genannt, ist durch fast ganz Europa verbreitet, während die Trauben⸗ oder Wintereiche (wegen ihres härtern Holzes wohl auch Steineiche) fast nur im mittlern Europa sich findet und deshalb die eigentliche deutsche E. genannt zu werden verdiente. Beide E. erreichen 30—40 m Höhe. Die Stieleiche vermag unter günstigen Verhältnissen ein Alter von mehr als 1000 Jahren und daher riesige Stärkendimensionen zu erreichen, während die Traubeneiche wohl selten über 6800 J. alt wird. Die Stieleiche ist vorzugsweise ein Baum der Ebenen, Niederungen, Flußauen und Hügelgelände und blüht im allgemeinen zwei Wochen eher als die Traubeneiche, welche mehr die Gebirgsgegenden liebt, doch in den Gebirgen Deutschlands im Mittel höchstens bis 650 m über das Meer emporsteigt. Beide treten in verschiedenen Gegenden Mitteleuropas, teils für sich allein, teils mit andern Laubhölzern (z. B. Rot⸗ und Weißbuchen, Ulmen, Ahornen, Eschen u. a. m.), oder auch mit andern Nadelhölzern (namentlich Kiefern) gemengt als waldbildende Bäume auf, zumal in den untern Donauländern (in der Bukowina, der Walachei, in Serbien, Kroatien und Slawonien), wo es noch unermeßliche, großenteils noch im Urzustande befindliche Eichenwälder gibt. Mit der Traubeneiche am nächsten verwandt ist die weichhaarige oder Filzeiche (Qu. pubescens Villd.), welche besonders im südlichern Europa, doch vereinzelt auch in Mitteldeutschland und Osterreich vorkommt. Sie unterscheidet sich von den andern deutschen Eichenarten durch den samtartigen Filz der zuletzt fast lederartigen Blätter. Unter den übrigen europ. Eichenarten nehmen die Korkeichen jedenfalls den ersten Platz ein. Es gibt zwei verschiedene Arten, die eigentliche oder sudl. Korkeiche (Qu. Suber L.), eine im südwestl. Europa (namentlich Südspanien und Portugal) und Nordafrika heimische Immergrüneiche mit einjähriger Samenreife und drei Jahre lebendig bleibenden Lederblättern, und die westeurop. Korkeiche (Qu. occidentalis Ga), eine im südwestl. Frankreich (den Landeso von Bayonne), in Nordspanien und Portugal wachsende E. mit zweijähriger Samenreife und nur ein Jahr ausdauernden Blättern. Beide Arten liefern den in den Handel kommenden Kork, welcher sich periodisch in ihrer Rinde erzeugt. (S. Kork.). Sehr verbreitet im südl. Europa ist die gemeine Immergrün⸗ oder eigentliche Steineiche (Qu. Ilex L.), ein Baum von 10— 20 m Höhe mit eiförmiger Krone und kleinen elliptischen oder eiförmigen, bald gan randigen, bald dornig gezähnten Blättern. Ihr 5015 gilt für das schwerste und härteste der europ. Eichenarten. Mehrere E. Europas und des Orients haben eßbare Eicheln, so namentlich die orientalische Qu. Aegilops L., eine sommergrüne E., und die westeuropäische und nordafrikanische Cu. Ballota Desf., eine immergrüne E., welche vermutlich bloß eine Varietät von Qu. Ilex ist. Beider Früchte werden in den betreffenden Ländern, wo man sie teils roh, teils geröstet ißt, in großen Massen zu Markte gebracht. Noch sind die Galläpfeleiche (Qu. infectoria Oliv.), eine in Kleinasien und Persien heimische Art mit ungefähr ein Jahr lebenden Blättern, welche die offizinellen Galläpfel liefert und mit der in Nordafrika und auf der Pyrenäischen Halbinsel wachsenden Qu. Lusitanica Lamh., die ebenfalls Gallen produziert, identisch sein soll, und die Kermeseiche (Qu. coccifera L.), eine niedrige, strauchige Art mit immergrünen, dornig gezähnten Blättern, welche in den Mediterranländern häufig vorkommt und die Kermesschildlaus (s. Kermessernährt, zu erwähnen. Unter den nordamerikanischen E., von denen gegenwärtig mehrere als Zierbäume überall bei uns kultiviert werden, sind besonders bemerkenswert: die Roteiche (Qu. xubra J.), die Scharlacheiche (Eu. coceinea L.) und die Sumpfeiche (Qu. palustris Mich.), deren schöngeformte Blätter im Herbst blutrot werden; die durch weiße Rinde und unterseits weißflaumige, sich im Herbst violett färbende Blätter ausgezeichnete Weißeiche (Qu. alba L.) und die Färbereiche (Cu. tinctoria Mich.), deren zum Gelbfärben ebrauchte Rinde unter dem Namen Quercitron in den Handel kommt. Fast alle C. sind lichtbedürftige Bäume, weshalb sie, in reinem Bestande erzogen, sich immer selbst licht stellen, wenn sie anfangs zu dicht standen. Deshalb ist es besser, bei Anlage von Eichenwäldern die E. in räumlicher Stellung (durch Auspflanzen von zuvor in Gärten gezogenen Pflänzlingen) zu erziehen. Da unter dem lichten Schirm der E. der Boden leicht verangert, so muß zwischen den Eichenreihen ein Bodenschutzholz, zu dem sich Hainbuchen, Weißtannen, auch wohl Fichten eignen, angebaut werden oder man zieht die E. überhaupt in . Ganed mit andern Laubhölzern, Buchen u. s. w. Ganz esonders eignen sich die C. für Mittel⸗ und Niederwaldbetrieb. Bei der großen Lichtbedürftigkeit dieser Holzarten liefern die alten, freistehenden Oberbäume des Mittelwaldes die beste Holzqualität. Die E. gehören zu den nutzbarsten Laubhölzern der gemäßigten Zone. Außer ihrem wertvollen, namentlich beim Schiff⸗, Hafen⸗ und Faßbau unentbehrlichen Holze ist die Rinde wegen ihres Reichstums an Gerbstoff (s. Eichenschälwald) sehr geschätzt, während die Früchte eine vortreffliche Mast für Schweine abgeben. Die gerösteten Eicheln dienen auch als Kaffeesurrogat, desgleichen, wie auch die Eichenrinde, zu mediz. Zwecken (die Rinde als adstringierendes eittel, die

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 799Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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