FeedEiderente (Somateria mollissima)
TierreichBrockhaus 1882

Eiderente (Somateria mollissima), auch oft zidergans genannt, ist die bekannteste Art einer u der Gruppe der Tauchenten (s. Enten) gehörenen Gattung, welche durch die mit Hautlappen umäumte Hinterzehe und den an den Rändern mit roben Plättchen eingefaßten, gestreckten, schmalen, n der Wurzel hohen Schnabel, der mit schmalen, weit orn gelegenen Nasenlöchern vers ehen ist, sich von den ibrigen Tauchenten unterscheiden. Das Eidermännhen ist oben weiß, unten schwarz, die Wangen meerrün, die Stirn schwarz; das Weibchen oben braun nit rostfarbigen Federrändern, unten braun und chwarzbraun gewellt. Während der Brütezeit trenjen sich die Männchen, um in Scharen allein zu leben. Die Pracht-Eider (S. spectabilis) hat ein feines, schwarzes Band um den Schnabel, das am Halse herabläuft, während bei der Stellerschen Eider (S. Stelleri) die Deckfedern der Oberflügel und Schultern blau gestreift sind. Beide Arten sind selten; die gewöhnliche Eider gemein. Dieser Vogel bewohnt den hohen Norden, ist an den Küsten von Island, Grönland, Spitzbergen und der Baffinsbai sehr häufig und kommt im Winter zahlreich nach der Ostsee und Elbemündung, nistet aber nur in den höhern Breiten. Er nährt sich wesentlich von Muscheln, nach denen er in große Tiefen taucht. Die E. brütet in Gesellschaften oft von Hunderten von Paaren; ihr Nest * aus Seegras und Tang und wird meist an solchen Orten angelegt, wo, wie auf Inseln, die Eisfüchse nicht hingelangen können. Das Weibchen legt im Anfang Juni vier bis sieben blaßgrüne Eier, welche es mit den feinen, seinem Unterleibe an den sog. Brüteflecken ausfallenden Dunen umgibt. Da diese Dunen, die Eiderdunen, einen wichtigen Handelsartikel bilden, so hegen die Besitzer der Brüteplätze die Vögel sehr sorgfältig, wozu besondere Gesetze erlassen sind und eigene Wächter angestellt werden, und beuten die Nester nach gewissen Regeln aus. Man kann der E. zweimal die eben gelegten Eier nebst den Dunen wegnehmen, ohne daß sie sich hindern läßt, zum dritten mal das Nest auszupolstern und mit Eiern zu belegen, die sie dann ausbrütet. Werden aber zum dritten mal die Vögel beim Brüten gestört, so verlassen sie solche Brüteörter ganz. Ein Dutzend Nester liefern etwa 0,5 KEg gereinigter Dunen, das an Ort und Stelle etwa 18 Mark wert ist; die Reinigung von dem beigemengten Seegras und Tang ist eine recht mühsame Arbeit. Die ersten Dunen, welche von selbst ausfallen, sind die besten; die zweiten sind Aopaldd die dritten, welche man erst nehmen darf, sobald die Jungen flügge geworden sind, stehen kaum höher im Preise als feine Gansfedern. Das Fleisch der E. ist schlecht und thranig. Die Eiderdunen machen für mehrere hochnordische Länder einen wichtigen Handelsartikel aus und stehen hoch im Preise. In der Mitte des 18. Jahrh. lieferte Island jährlich 100 — 150 kg gereinigte und gegen 1000 kg ungereinigte Dunen. Grönland liefert jetzt mehrere tausend Kilogramm jährlich. Wegen ihrer Kostbarkeit werden sie oft verfälscht; die echten erkennt man indes an ihrer braunen Farbe mit weißem Schafte und daran, daß sie beim Schütteln nicht auseinanderstieben.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 811Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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