FeedEinschlafen
HeilkundeBrockhaus 1882

Einschlafen der Glieder oder Parästhesie nennt man den Zustand, bei welchem die Haut eines Körperteils mehr oder weniger gefühllos gegen äußere Eindrücke, auch kalt und welk wird und gewöhnlich die Empfindung von Kriebeln, Taubsein, Ameisenlaufen (Formikation) oder Pelzigsein erregt. Dieser Zustand beruht auf beginnender Lähmung der empfindenden Nervenfasern des betreffenden Körperteils und läßt sich künstlich bei gesunden Personen erzeugen, wenn man den Stamm eines Nerven, der Empfindungsnervenfasern enthält, stark drückt oder stößt: z. B. den Ellbogennerven am sog. Mäuschen, wo er dicht am Ellbogenknorren ziemlich unbeschützt daliegt, oder den Stamm des Hüftnerven, wo er in die Kniekehle hineintritt und hier leicht, z. B. durch die Stuhlkante, gequetscht wird. Dasselbe Gefühl kann aber auch durch Verschließung der Pulsadern eines Körperteils entstehen, weil die Nerven 45 frisch hinzugeführtes Arterienblut ebenfalls gelähmt werden. In Krankheiten kommt das Einschlafegefühl häufig vor und bezeichnet stets einen Zustand von Halblähmung gewisser Empfindungsnervenfasern, welcher übrigens bald im Gehirn (3. B. bei Schlagflüssigen), bald im Rückenmark, bald in dem einzelnen Nervenstamme (3. B. oben im Ellbogennerven) seinen Sitz haben kann. Besonders häufig ist das E. eines Arms während des Schlafs, wenn der Arm eine unpassende Lage hat und vom Rumpfe oder sonstwie gedrückt wird. Weil das auf diese Weise erzeugte E. bisweilen in völlige Lähmung übergeht, die bis zur vollständigen Heilung sogar mehrerer Tage bedarf, ist es nötig, auf die Lage der Glieder beim Einschlafen zu achten. Das durch vorübergehenden Druck auf einen Nervenstamm entstandene E. pflegt mit dem Aufhören des Drucks von selbst wieder zu verschwinden, während die bei Gehirn-⸗ und Rückenmarkskrankheiten ih einstellenden Parästhesien meist lange Zeit bestehen bleiben oder in völlige Anästhesie übergehen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 834Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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