FeedEisbär
TierreichBrockhaus 1882

Eisbär (Ursus maritimus oder Thalassarctos polaris), das grimmigste Raubtier der Polarzone, ist von neuern Naturforschern wegen des gestreckten, langen Leibes, spitzen Kopfes mit schlanker Schnauze und kleinem Rachen, sowie der ungemein breiten Tatzen, deren Zehen durch Schwimmhäute verbunden sind, von dem Bär getrennt und zu einer eigenen Sippe erhoben worden. Man hat E. getötet, die volle 16 Ctr. wogen und gegen 3Zm lang waren. Die Farbe des sehr langhaarigen Pelzes ist weiß mit einem Stich ins Gelbliche. Plump und schwerfällig am Lande, schwimmt und taucht der E., der in Grönland, Spitzbergen und Nowaja-Semlja am häufigsten vorkommt, ausgezeichnet und gelangt oft, mit Eisschollen treibend, bis nach Island, auf die sibir. Nordküste und in die Gegenden der Hudsonsbai. Fische, Waltiere, Seehunde sind seine gewöhnliche Nahrung; den Menschen greift er nur gereizt oder im größten Hunger an, ist aber dann auch, besonders auf dem Eise, wo er sich schneller und sicherer bewegt, ein fürchterlicher Feind. Den Seefahrern ist er außerdem durch die Schlauheit schädlich, womit er die hinterlassenen Vorräte aufzuspüren und zu vernichten weiß. Er hält keinen Winterschlaf, wie man irrig behauptet hat. Die Jungen werden im Februar und März geworfen und lassen sich etwas zähmen. Die Jagd auf ihn wird in den Polarländern mit Vorliebe betrieben. Das Fell ist als Pelzwerk wie als Leder geschätzt, das Fett als Brennmaterial; das Fleisch dagegen gilt, obgleich wohlschmeckend, frisch für ungesund, die Leber sogar als giftig. (S. Tafel: Bär, Fig. 5.)

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 844Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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