Eisenach (mittellat. Isenacum), Haupt⸗ und Residenzstadt des ehemaligen Fürstentums gleiches Namens, jetzt Hauptstadt des gleichnamigen Kreises und Verwaltungsbezirks des Gppherzahtuma Sachsen Weimar-Cisenach, liegt in romantischer Gegend am Nordwestende des Thüringerwaldes, an der Einmündung der Nesse in die Hörsel in 221 m Höhe uber dem Meere und an der Linie Halle-Bebra-Frankfurt der Preußischen Staatsbahn, von der hier die Werrabahn abzweigt. Die Stadt zählt (1880) 18 788 überwiegend evang. E. und ist Sitz der Bezirksdirektion, eines Land⸗ und eines Amtsgerichts, einer Forstinspektion, eines Rechnungsamts, einer Steuerrevision, eines Steueramts, einer Forsttaxationskommission und einer Kircheninspektion. Die freundliche Stadt hat mehrere öffentliche Plätze, darunter den Markt mit der daranstoßenden Esplanade, jetzt geziert mit einer Germania zum Andenken an die 1870/71 aus dem eisenacher Kreise Gefallenen, den Lutherplatz mit dem Lutherhaus, wo Luther als Schüler bei der Frau Cotta gewohnt haben soll, und den Karlsplatz, sowie einige sehr ansehnliche öffentliche Gebäude, wie das ehemalige, 1742 vom Herzog Ernst August von Weimar neuerbaute Residenzschloß (davor ein großer Brunnen mit vergoldeter Statue des heil. Georg), das 1641 aufgeführte Rathaus, das Gymnasium (ursprünglich ein Dominikanerkloster), die fünf neuen Bürgerschulen und ein schönes, vortrefflich eingerichtetes Theater. Am Frauenplan liegt Joh. Seb. Bachs Geburtshaus, in der Karlsstraße das des Malers Friedr. Preller. Unter den fünf Kirchen (vier evangelische, eine katholische) ist die Hauptkirche zu St. Georg die größte und schönste, die Nikolaikirche (aus dem 12. Jahrh.) die älteste. Der Nikolaiturm, am Eingang der Stadt vom Bahnhof, roman. Stils, ist wohl erhalten. Das Gymnasium war früher eine Lateinschule, die auch Luther und Joh. Sebastian Bach einige Zeit besuchten, und wurde 1544 in eine Landesschule verwandelt, die 1707 den Titel eines Gymnasium illustre erhielt. Ferner besitzt E. noch ein Realgomnasium, eine höhere Töchterschule, ein Schullehrerseminar, ein Lehrerinnenseminar, eine Forstlehranstalt, eine Zeichen- und Gewerkenschule, ein Leih⸗ und Pfandhaus, ein Waiseninstitut, eine Korrektionsanstalt, ein Landkrankenhaus und andere wohlthätige Anstalten und Einrichtungen. Von größern industriellen Etablissements sind eine bedeutende Farbenfabrik, eine Fabrik chem. Farben und Kalipräparate, zwei Bleiweißfabriken, eine sehr große Dampfziegelei, eine roße Kammgarnspinnerei, eine Wollweberei, eine unsttischlerei, eine Fabrik für Thonwaren (etrurische und mittelalterliche Gefäße) eine Gasanstalt, eine Tabaksfabrik, drei Bierbrauereien, eine Schuhwarenfabrik, 17 Gerbereien und viele Dampfsägemühlen in schwunghaftem Betriebe. Außerdem werden Essig, Ol, Leim, Cigarren, Alabasterwaren und Maschinen fabriziert. Auch die hiesige Fischr (Spiegelkarpfen) ist nennenswert. Außer der artburg (s. d.) befinden sich in der Umgebung CE.s eine Menge durch Naturschönheit ausgezeichneter Punkte, wie von Eichelsgarten am Pflugensberg, beim Nikolaithor, vor dem Frauenthor der großherzogl. Karthausgarten, das Marienthal, das Annathal, die Drachenschlucht, die Landgrafenschlucht, die Hohe Sonne, der Hirschstein, die großherzogl. Sommerresidenz Wilhelmsthal u. s. w. Auf dem neuen Friedhof, eine Viertelstunde nördlich von der Stadt, befindet sich das Grab des Dichters Fritz Reuter mit des letztern Büste von Afinger. Der 1880 gegründete Thüringer Waldverein, dessen Vorort E. ist, hat für die Touristen schon in der kurzen 7 seines Bestehens sehr viel gethan. — E. (damals Isenach) wurde 1070 unter Ludwig dem Springer von neuem und näher der Wartburg aufgebaut. Ihren Aufschwung verdankt sie der Wartburg, als der Residenz der Landgrafen von Thüringen, und der Zeit von 1595— 1741, wo sie selbst Residenz eigener Fürsten war. Sehr beschädigt wurde die Stadt 1. Sept. 1810 infolge der Explosion mehrerer franz. Pulverwagen. E. ist der Geburtsort Joh. Sebastian Bachs; die Aufstellung eines Standbildes des letztern, von Donndorf, ist für 1883 anberaumt. Vgl. Storch, „Beschreibung der Stadt CE.v (Eisenach 1837); Senft, (Geognost. Beschreibung der Umgegend von C. (Eisenach 1857); Schwerdt und Jäger, E. und die Wartburgo (2. Aufl., Eisenach 1871); Witzschel, Luthers Aufenthalt auf der Wartburg, nach seinen eigenen Mitteilungen» (Wien 1876); G. Schmidt, «Das katholische E., ein Vortrag über die kirchlichen Zustände E.s vor der Reformationo (Eisenach 1874); Walter, Neuer Führer für C., Wartburg und Umgebung (Berl. 1881). Das ehemalige Fürstentum Eisenach teilte die Schicksale Thüringens und kam mit diesem 1440 an Sachsen und bei der Teilung zwischen Friedrich dem Sanftmütigen und seinem Bruder Wilhelm an den letztern, nach dessen Tode es 1482 wieder zurückfiel, 1485 aber an die Ernestinische Linie fiel. Der jüngere Sohn Johann Friedrichs des Mittlern, Johann Ernst, stiftete 1596 dieältere „Linie E.; der siebente Sohn des Herzogs Johann von Weimar, Albrecht, 1640 die mittlere Linie E. Beide starben aber mit ihren Stiftern, jene 1638, diese 1644 wieder aus. Georg, der fünfte Sohn des Herzogs Wilhelm von Weimar, wurde 1672 der Stifter der jüngern Linie E., die indes auch wieder mit dessen Enkel, Wilhelm Heinrich, 1741 erlosch, worauf E. an Weimar fiel. Seit 1815 bildet das Fürstentum nebst einigen hinzugekommenen fuldaischen und hess. Parzellen den Kreis Eisenach, der (1. Dez. 1880) auf 1205 qm 90852 Seelen zählt und in administrativer Beziehung in die zwei Verwaltungsbezirke Eisenach und Dermbach geteilt wird.