FeedEisleben (mittellat. Islebia)
ErdkundeBrockhaus 1882

Eisleben (mittellat. Islebia), Kreisstadt des Mansfelder Seekreises im Regierungsbezirk Merseburg der preuß. Provinz Sachsen, früher die Hauptstadt der Grafschaft Mansfeld, bekannt als Geburts- und Sterbeort Luthers, liegt 38 kRm im WNW. von Halle an der Linie Halle-Nordhausen-Münden der Preußischen Staatsbahn, in der von zwei Ausläufern des Harzes eingeschlossenen Mansfelder Mulde in 124m Höhe über dem Meere, ist Sitz eines Amtsgerichts (Landgerichtsbezirk Halle) mit Strafkammer (für die Amtsgerichtsbezirke E., Ermsleben, Gerbstedt, Hettstedt, Mansfeld und Wippra), des Landratsamts für den Mansfelder Seekreis und des königl. Bergreviers Stolberg-E. Die Stadt zählt (1880) 18 187 E., darunter 740 Katholiken und 126 Juden, und hat eine kath. und vier evang. Kirchen, unter diesen die 1877 restaurierte Andreaskirche mit vielen Denkmalen der alten Grafen von Mansfeld, der Lutherkanzel und den Büsten Luthers und Melanchthons, welche Friedrich Wilhelm III. hierher schenkte, und die 1834—37restaurierte Peter-Paulskirche mit dem alten Taufstein, an welchem Luther getauft worden sein soll. Das königl. Gymnasium wurde von Luther zwei Tage vor seinem Tode (16. Febr. 1546) gestiftet, ein neues wurde 1883 eingeweiht. Außerdem hat E. ein Realprogymnasium, ein evang. Schullehrerseminar, ein Privatlehrerinnenseminar und eine Bergschule. Das Geburtshaus Luthers brannte 1689 bis auf das untere Stockwerk ab, wurde aber durch milde Beiträge wieder aufgebaut und 1693 als Freischule für arme Waisen eingerichtet. Unter der westfäl. Herrschaft kam auch die Stiftung ihrem Untergange nahe, bis 1817 der König Friedrich Wilhelm III. die Schule zur Luthers-Freischule umgestaltete und 1819 hinter dem alten Lutherhause, in welchem man mehrere Reliquien Luthers bewahrt, ein neues Gebäude aufführen und mit der Schule ein Schullehrerseminar verbinden ließ. Neuerdings wurde auch das der Andreaskirche gegenüber gelegene Sterbehaus Luthers restauriert. In seinen Räumen befindet sich Luthers Sterbezimmer; außerdem werden dieselben teils vom mansfelder Altertumsverein, teils als Schulklassen benutzt. Die Enthüllung des Lutherdenkmals (Bronzestatue [auf einem Postament mit vier Hochreliefs] von Siemering, gegossen von Gladenbeck in Berlin) auf dem Markt ist auf den 10. Nov. 1883 anberaumt. E. hat eine Diskontogesellschaft, eine Dampfmahl-, eine Dampfsägemühle, Ziegelbrennerei, eine Gasanstalt, Gartenbau und Samenhandel, vor allem aber sehr bedeutenden Bergbau auf Silber und Kupfer und zwei Schmelzhütten. Auch befindet sich daselbst die Oberberg⸗ und Hüttendirektion der Mansfelder Kupferschiefer bauenden Gewerkschafte. Letztere besitzt außer den Berg-und Hüttenwerken der mansfelder und sangerhausener Reviere einen Eisenhamnten in Rothenburg a. d. Saale, einen Kupferammer in Eberswalde, Kohlengruben in Riestadt, Steinkohlenwerke in Westfalen, ausgedehnte Waldungen im Unterharz u. s. w. Von den fünf Brauereien liefert eine noch heute ein Bier, das den seltsamen Namen Krabbel führt. Der mansfelder Knappschaftsverein hat in E. seinen Sitz und in der Stadt ein Lazarett, verbunden mit einem irischröm. Bade, errichtet. Der Ort wird zum erstenmal 994 als Islebia erwähnt, dann, als daselbst auf dem Schlosse 1082 ein Konvent deutscher Fürsten den lothring. Herzog Hermann, der hier residierte, zum deutschen Könige wählte, wurde er deshalb im folgenden Jahre von den Kaiserlichen zerstört. Nachher wieder aufgebaut, gab besonders der Bergbau seit dem 12. Jahrh. Veranlassung zu seiner Erweiterung. Nachdem E. während der Bauernunruhen 1525 zum Teil zerstört worden, wurde die Neustadt angelegt. Nach dem Aussterben der Grafen von Mansfeld (1780) kam E. an Sachsen und 1815 an Preußen. E. ist auch der Geburtsort des Theologen Joh. Agricola (Sneider) und Friedrich Königs, des Erfinders der Schnellpresse. Val. Hrößler, Urkundliche Geschichte E.s bis zum Ende des 12. Jahrh.» (Halle 1875); «Chronicon Islebiense. Cisleber Stadt-Chronik aus den J. 1520 ; —17385 (nach der Urschrift mit Anmerkungen herausg. von Größler und Sommer, Eisl. 1882).[

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 916Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 1

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Erdkunde 6