Coburg oder Koburg, Hauptstadt des gleichnamigen Herzogtums und abwechselnd mit Gotha die Residenz des Herzogs von Sachsen-Coburg-Gotha und Sitz der obersten Landesbehörde, liegt am Südabhange des Thüringerwaldes, im Thale der Itz und an der Werrabahn, in 50 15 nördl. Br. und 28 38 östl. L., 291 m hoch, in anmutiger Gegend und zählt (1880) 15 791 E. (worunter 500 Katholiken und 100 Juden). Die innere Stadt ist größtenteils alt, aber reinlich und freundlich gehalten und vielfach erneuert; die äußern Stadtteile, meist erst in der Alen Zeit entstanden, zeigen zahlreiche hübsche Villen. Unter den sechs Kirchen zeichnet sich die St. Moritzkirche mit einem 102 m hohen Turme und dem Epitaphium Herzogs Johann Friedrich des Mittlern aus. Das herzogl. Residenzschloß (die Ehrenburg) mit der schönen Hofkirche wurde unter Herzog Ernst I. erneuert. Unter den übrigen Gebäuden sind besonders Aunasgebände das Ministerialgebäude, das Regierungsgebäude, das Zeughaus mit einer ansehnlichen öffentlichen Bibliothek, das Rathaus, das herzogl. Hoftheater, die Villa (cottage) des Herzogs im herzogl. Park, das Palais des Herßene von Edinburgh, das neue Post⸗ und Telegraphengebäude, die Reitbahn, das Landkrankenhaus, das herzogl. Mausoleum und das Grabmal des Herzogs Franz (gest. 1806) im herzogl. Hofgarten. Auf dem Marktplatze steht die Statue des Prinzen Albert, Gemahls der Königin Victoria von England, vor dem Schlosse die des Herzogs Ernst I. Von höhern Bildungsanstalten hat C. ein Gymnasium (Casimirianum), eine Realschule (Ernestinum), ein Schullehrerseminar (Ernst-Albert-Seminar) und eine höhere Töchterschule (Alexandrinenschule). Dazu kommen eine Baugewerkschule, eine Sonntagsschule und eine Taubstummenanstalt. Außer den Regierungsbehörden haben zu C. noch ein Amtsgericht mit af und Handelskammer und ein Landratsamt ihren Sitz. mißt, sind unter K aufzusuchen. Die sehr gewerbthätige Bevölkerung treibt die Baugewerke (vier Dampfschneidesägen), Weberei, Korbwarenfabrikationetc.und unterhält Fabrikenfür Woll- und Baumwollwaren, Porzellan, Möbel, Wagen etc. Die Brauereien liefern ein gutes Bier auch fur den Export. C. wird wegen seiner reizenden Umgebung vielfach von Vergnügungsreisenden besucht. In der Nähe der Stadt liegt malerisch, auf einem kegelförmigen, 464 m hohen Berge die alte, geschichtlich denkwürdige ümn Coburg, die 1057 zuerst urkundlich erwähnt wird und bis 1547 Residenzschloß der Grafen von Henneberg und der Herzöge von Sachsen war. Vorübergehend wurde sie bis in die Mitte des 19. Jahrh. als Zuchthaus und Irrenanstalt verwendet, ist aber seit 1838 im ursprünglichen Stil prächtig ausgebaut. In dem sog. Fürstenbau befinden sich reiche Waffensammlungen, ein he wertvolles Kupferstichkabinett sowie andere Sehenswürdigkeiten, darunter die 1530 von Luther bewohnten Zimmer; ferner ist in einem Gebäude des zweiten Festungshofs eine uhe große zoolog. Sammlung aufgestellt. Ru der Nähe Ces liegen die herzogl. Lustschlösser Kallenberg und Rosenau, sowie das bung F. Neuses, bekannt als langjähriger Wohnsitz F. Rückerts, der dort auch begraben liegt. Vgl. Wittmann, Stadt und Feste C. nebst Umgegendo (Cob. 1882). Das Herzogtum Coburg, der südliche (klleinere) Teil des Herzogtums Sachsen-Coburg-Gotha (. d.), umfaßt 562,3 akm mit (1880) 56 728 E. und bildet in administrativer Beziehung mit dem inmitten bayr. Gebiets gelegenen Gerichtsamt Königs⸗ — einen Landratsamtsbezirk. Die Rechtspflege wird durch fünf Amtsgerichte (Coburg, Königsberg, neustadt, Rodach und Sonnefeld) bewirkt; dieselben bilden mit Sachsen-Meiningen und den preuß. Amtsgerichten Schleusingen und Suhl den Bezirk des Landgerichts zu Meiningen; das Oberlandesericht für das Herzogtum C. befindet sich zu Jena. Außer der Hauptstadt begreift das Herzogtum noch die Städte Neustadt an der Haide mit 3812 E. und starker Spielwarenfabrikation, Rodach an der Rodach mit 1789 E. und Königsberg (Geburtsstadt des Astronomen Johs. Müller, genannt Regiomontanus) mit 949 CE. und einer Schloßruine.