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ErdkundeBrockhaus 1882

Baku, Hauptstadt sowie fester 4 Handelshafen des russ. Gouvernements B. in Transkaukasien, liegt an der Südküste der Halbinsel Apscheron am Kaspischen Meere. B. hat vier grieische und eine armen. Kirche, 23 Y 40. 0 ein ollhaus, Quarantäne und zählt 15604 E., welche auptsächlich vom Handel, vom Schiffbau, vom Naphthagraben, Hafenarbeit und Schiffsdienst leben; Fabriken gibt es nicht. B. trägt einen echt orient. Charäkter, und seine steinernen Häuser sind am Abhange eines Hügels so steil i und übereinandergebaut, daß die flachen asphaltbedeckten Dächer der vordern oft den Hofraum der hintern bilden. Den Gipfel dieser Häuserpyramide krönt das prachtvolle, von Abbas II. gebaute Schloß und die große, wohlerhaltene Moschee von Scha Abbas I., jetzt ein Artilleriearsenal. Der südl. Wall stößt an das Meer, an welches von den Quais Treppen hinab zum Landungsplatz der Schiffe führen, und an die Quais schließen sich die wohlgefüllten Bazars. Hier wie in den engen Gassen der Stadt drängt suß ein buntes Völkergemisch. Die größte Thätigkeit aber herrscht im Hafen, dessen geräumige, wohlgeschützte Reede, die beste an der ganzen Westküste des Kaspischen Meeres, 6—8 m Tiefe hat und dessen natürliche Leuchtfeuer die entzündeter Naphtha bilden, die auch als Brenn⸗ und Erleuchtungsmaterial benutzt wird. (S. Apscheron.) Der Hafen ist eine Hauptstation der russ. Kriegsflotte, hat aber auch für den Seehandel große Bedeutung. Die Ausfuhr besteht hauptsächlich in Naphtha, Eisen, Leinwand und Wollzeugen, die Einfuhr in Baumwolle und Baumwollzeugen, Getreide und Früchten. Weit bedeutender ist der inländische Seehandel mit Astrachan, von wo für ganz Transkaukasien, besonders für das Heer, das Getreide bezogen wird. Dazu kommt, daß in B. der Handelsweg aus Transkaukasien von Tiflis über Schemacha, sowie der aus Ciskaukasien längs der Küste von Kisljar durch den Paß von Derbent zusammentreffen. Wegen der Menge von Naphthaquellen und der aus der Erde . Feuersäulen der phlegräischen Felder um B. wird die Stadt von den Parsen oder Guebern und den Hindu für eine heilige Stätte gehalten und wohl auch nach dem herrlichen Blumenflor der Umgebung das Rosenparadies genannt. Die Stadt, der Tradition nach bereits von Alexander d. Gr. erbaut, wurde zur Zeit der Sassaniden im 6. Jahrh. n. Chr. gegründet, kam dann in die Hände der Araber, nach dem Verfall des Kalifats in die Gewalt der Chane von Schirwan und litt viel im Kriege mit Tochtamysch von Kaptschak im 14. und mit Ismael Safi im 15. Jahrh. B. wurde 1509 dem Persischen Reiche einverleibt, später von den Türken eingenommen, aber von Schah Abbas I. wiedererobert. Am 21. Juli 1723 kapitulierte die Stadt an die Russen unter Matuschkin, kam aber im Frieden 1735 wieder an Persien und stand seitdem unter eigenen pers. Serdars. Später eroberten sie die kaukas. Bergvölker, und 1806, nach Abdankung des Chans, nahmen sie die Russen unter General Bulgakow ein, worauf sie 1807 zur Kreis- und 1859 zur Gouvernementsstadt erhoben wurde. Das Gouvernement Baku (39617 akmemit 1873] 539383 E.), bis 1859 Schemacha genannt, nimmt den ganzen Südosten Transkaukasiens oder Schirwan im weitern Sinne und einen Teil von Daghestan ein. Es zerfällt in die sechs Kreise: B. (die alte Provinz Bakin), Lenkoran (Talysch), Schemacha (das Hπ Schirwan), Kuba (Kabin), Dshewat, Göktschai.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 387Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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